München – Vielleicht erfordert der neue Look eine besondere Pflege. Noch eine Extra-Spülung für den Farberhalt oder eine spezielle Tinktur für die Spitzen, denn der gemeine Haarbruch („Spliss“) sorgt für einen matten Ton, er ist ein Horror, gerade für jemanden, der Glanz ausstrahlen will. Robert Lewandowski kam am Samstag jedenfalls erst aus der Kabine, als seine Kollegen längst schon in den Feierabend gedüst waren. Es könnte an seinem grau-blonden Schopf gelegen haben, wer weiß? Fragen zur Pflege wurden nicht erörtert, da der Bayern-Star mit zwei Toren gegen Augsburg auch sportlich für genügend Gesprächsgrundlage gesorgt hatte.
18 Treffer sind dem Polen nun in insgesamt 13 Spielen gegen die Schwaben gelungen. Warum er den FCA so regelmäßig abschießt, vermochte er nicht zu sagen („versuche gegen alle zu treffen“). Allerdings klang Torhüter Marvin Hitz bedauernswert: Lewandowski treffe stets, es sei sogar egal, welche Farbe seine Haare hätten. Seinen Look kommentierte der Angreifer so: „Sieht schneller aus.“
Nur nach dem Abpfiff war Lewandowski langsam, auf dem Platz war er tatsächlich auch ergraut schnell. Während sich die Bayern um Sandro Wagner bemühen, unterstrich der 29-Jährige aufreizend locker seine Extraklasse. Der Hoffenheimer sollte sich keinen Illusionen hingeben: Wenn er im Winter nach München kommt, wird er auf der Bank sitzen und der Gnade von Lewandowski ausgeliefert sein. Erst, wenn der Pole mal pausieren möchte, haben die Bayern Bedarf.
Lewandowski ist eigentlich vom Typ unzerstörbar, er will und kann immer. In den letzten zwei Wochen allerdings hat er erstmals runtergedreht. Er sagte die beiden unbedeutenden Länderspiele ab, um dem Raubbau am gestressten Körper vorzubeugen. Das wäre früher undenkbar gewesen, diesmal sagte er: „Das war die richtige Entscheidung.“ Es sei der Plan gewesen, bis zur Länderspielpause voll durchzuziehen und dann sinnvoll gesteuert zu trainieren. „Wir haben gerade viele Verletzte in der Offensive“, meinte er. Da müsse man haushalten.
Zu den Bemühungen, Wagner zu holen, sagte Lewandowski nichts. Sportdirektor Hasan Salihamidzic bestätigte Gespräche mit seinem Kollegen Alexander Rosen („sehr gute Gespräche“). Es hängt bloß noch an der Ablösesumme. „Wenn er kommt, dann klar“, meinte Lewandowski in seinem zuweilen brüchigen Deutsch. Diese Aussage lässt ausreichend Raum für Interpretationen. Im Grunde liegen die Verhältnisse aber eh so: Lewandowski wird spielen – und wenn Wagner das nicht akzeptiert, werden ihm bald graue Haare wachsen.awe