München – Es geschah noch am Abend, unter dem unmittelbaren Eindruck der 2:6-Niederlage: Die Kölner Haie beendeten das Arbeitsverhältnis mit ihrem Trainer Cory Clouston. Der Kanadier, arrogant wie kaum ein anderer in der Branche, hielt sich keine zwei Jahre bei dem Klub, der so etwas wie der FC Bayern des Eishockeys sein will. Nachfolger wird Peter Draisaitl, dessen Erfolge als Trainer bislang überschaubar sind – aber er musste nebenzu ja auch die Karriere seines Sohnes Leon in der NHL anschieben und begleiten. Auf alle Fälle ist Draisaitl senior eine Lösung, die lokal gut ankommen wird am Rhein. Besser als Larry Huras (früher Ingolstadt), der ebenfalls im Gespräch war.
Es ist das erste Mal, dass die Münchner einen Trainer abgeschossen haben. Eine Niederlage gegen den EHC, der über den Topkader der Liga verfügt, ist nichts Außergewöhnliches und sollte kein Anlass für Kündigung oder Freistellung sein. Im Fall Köln lieferte der EHC aber wohl nur den letzten Tropfen. Am Freitag hatte Clouston in Augsburg 4:7 verloren, ein 0:5-Rückstand nach einer halben Stunde offenbarte die Hilflosigkeit des Trainers. Am Sonntag vor über 14 000 Zuschauern gingen die Haie 2:0 in Führung und schnappten dann sechs Treffer am Stück. Moritz Müller, robuster Haie-Verteidiger, versuchte bei 2:4 einen Akzent zu setzen, indem er den Münchner Strafbankkönig zu einem Faustkampf herausforderte. Die rechte Faust Pinizzottos auf Müllers linkem Auge verursachte einen Cut, Müller ließ die Wunde klammern und sich feiern, Pinizzotto hatte auf der Strafbank etwas Stress mit Kölner Zuschauern – doch das Spiel ging weiter seinen Gang: Köln brach auseinander, München agierte souverän.
Don Jacksons Mannschaft zeigte die klassische gute Reaktion auf die Freitags-Niederlage (2:5 zuhause gegen Schwenningen), übernahm auch wieder die Tabellenspitze, weil Nürnberg gegen Straubing (2:1) ins Penaltyschießen musste und einen Punkt liegen ließ – dennoch offenbart der EHC in dieser Saison mehr Schwachstellen als in der vorigen. Trainer Jackson war am Freitag die Verstimmung deutlich anzumerken über das, was seine Verteidiger veranstalteten. Konrad Abeltshauser, 2016/17 als bester Verteidiger der DEL ausgezeichnet, rutschte in der Plus-Minus-Wertung auf die negative Seite (– 1, durchs Köln-Spiel schaffte er es wieder ins Plus), Florian Kettemer und Derek Joslin stehen weiterhin im Minus. Jackson sagt: „Wir bereiten uns auf jedes Spiel so vor, als müssten wir es 1:0 gewinnen.“ Er weiß, dass man sich nicht auf die eigene Torflut verlassen kann, wenn auf der Gegenseite ein „hot goaltender“ wie zuletzt der Schwenninger Dustin Strahlmeier steht. Jackson missbilligt es auch, „wenn ein Verteidiger den anderen instruiert“ – dann sieht ja auch die gegnerische Mannschaft, wohin die Scheibe kommen soll.
Der Konkurrenzkampf ist in der Münchner Abwehr weniger ausgeprägt als im Sturm, wo die Nationalspieler Eder und Mayenschein in die DEL2 zum Kooperationspartner SC Riessersee delegiert wurden. München hat erst sechs seiner elf Ausländerlizenzen vergeben, doch auf dem internationalen Markt tut sich wenig. Begehrtester Abwehrspieler in Deutschland ist einer aus der DEL2: der Amerikaner James Wisniewski (Kassel). Er hat mehrere Angebote „von oben“.
Die Münchner sind nach dem Köln-Spiel nicht heimgekehrt. Heute (19.30 Uhr) geht es für sie in Mannheim weiter. Die Adler haben bislang ähnlich enttäuscht wie die Haie, ihr Trainer Sean Simpson scheint nicht mehr gesichert zu sein. . .