Experten-Interview

von Redaktion

Mit 45 lässt Claudia Pechstein die Jungen auf dem Eis alt aussehen: Ein Gespräch mit dem Münchner Sportmediziner Dr. Karlheinz Zeilberger.

-Trainiert Frau Pechstein härter – oder wie erklären Sie sich ihren Erfolg?

Erklären kann das niemand, Claudia Pechstein ist ein Phänomen! Sie ist eine der wettkampfstärksten Typen, die ich kenne. Wahrscheinlich trainiert sie nicht viel härter – aber vielleicht intelligenter. Es gibt viele Schrauben, an denen man drehen kann: Ernährung, Psychologie, Physiotherapie. Claudia ist eine, die sich durchbeißt und die dem Training alles unterordnet. Sie hat jahrzehntelange Erfahrung, hat sich ein Privat-Team aufgebaut. Sie hat womöglich die optimale Balance zwischen Trainingsbelastung und Regeneration gefunden, denn Meister werden in der Regeneration gemacht. Vielleicht spielt auch die Motivation eine Rolle, es nach den Dopingvorwürfen allen noch einmal zu zeigen.

-Wie sich herausstellte, soll Frau Pechstein eine besondere Form von Blutzellen haben, eine milde Form der Kugelzellen-Anämie…

Eine Normvariante. Sie hat dadurch aber nicht mehr Blut, was sich auf die Ausdauer auswirken würde. Ich glaube daher nicht, dass ihr das einen Leistungsvorteil verschafft. Es ist übrigens generell so, dass sich das Karriereende bei vielen Sportlern nach hinten schiebt, wenn sie verletzungsfrei bleiben. Ein Trainerwechsel zum Ende der Karriere hin kann auch noch einmal zu einem Leistungssprung führen.

-Sport gilt generell als eine Art Jungbrunnen . . .

Damit lässt sich in der Tat der Alterungsprozess hinauszögern. Mit 60 sind Sie dann vielleicht so fit wie ein 40-Jähriger. Zum Anfangen ist es nie zu spät – auch mit 75 kann man Kraft und Ausdauer noch verbessern.

Interview: Andrea Eppner

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