Zerbeult, aber glücklich

von Redaktion

Bayerns Basketballern kommt die umstrittene Länderspielpause gerade Recht – ein Trio spielt international

München – Danilo Barthel sah leicht zerbeult aus, als er nach getaner Arbeit durch den Audi Dome schritt. Am Auge war eine Wunde mit kleinen Pflasterstreifen verklebt. Der Gipfel gegen Bamberg hatte Spuren beim Bayern-Profi hinterlassen. Doch über seine Lippen huschte ein kleines Lächeln: „Wir sind sehr froh, dass wir gewonnen haben.“

77:68 hatten Barthels Bayern-Basketballer das heiße Gipfeltreffen mit dem Erzrivalen Bamberg letztlich für sich entschieden. Hatten dem von der Euroleague strapazierten Serienchampion eine Erkenntnis mit in die Länderspielpause gegeben: Jawohl, der Weg zum nächsten Titel dürfte steiniger werden. Angesichts von sechs Punkten Differenz ist klar: Das Heimrecht für ein mögliches Playoff-Duell werden sich die Bayern bei normalem Verlauf nicht mehr nehmen lassen. Doch selbst den während der Partie schwer euphorisierten Präsidenten Uli Hoeneß verleitet das nicht zu großem Enthusiasmus: „Bamberg kann jederzeit auch Auswärtsspiele gewinnen.“

Nur ja die Füße auf dem Boden behalten, das ist die Botschaft, die die Bayern mitnahmen. Zumal den Verantwortlichen wie Geschäftsführer Marko Pesic nicht entgangen ist, dass man selbst dieser Tage in einer kniffligen Phase steckt. Die Ballung von bereits 16 Spielen in gut eineinhalb Monaten ist an die Substanz gegangen. Neben dem langzeitverletzten Vladimir Lucic musste auch Nihad Djedovic mit einem schweren Infekt passen. Spielmacher Stefan Jovic versuchte trotz Handblessur sein Glück. „Die Mannschaft kann gerade abrufen, was nötig ist, um zu gewinnen“, sagte Pesic.

Vor diesem Hintergrund kommt die umstrittene Länderspielpause nun eigentlich nicht ungelegen. Der Großteil des Tabellenführers hat einige Tage frei. Abgesehen von Barthel und Maik Zirbes, die bei der deutschen Nationalmannschaft einrücken. Milan Macvan verabschiedete sich derweil mit Trainer Sasa Djordjevic in Richtung Belgrad. Prinzipiell auch eine schöne Sache: „Ich sehe acht Tage lang meine Familie und meine Freunde.“ Doch was ihn erwartet, weiß Macvan nicht. „Offen gesagt: Ich habe keine Ahnung, mit wem wir dort spielen werden.“

Der Dachverband FIBA führte die sogenannten Länderspielfenster in der Saison bekanntlich ein, ohne sich mit dem ewigen Widersacher Euroleague auf gangbare Modalitäten zu einigen. Wie die NBA machte auch die Königsklasse die Türe in Richtung Nationalteams zu.

Womit nun vor allem Topnationen wie Spanien, Frankreich oder eben Serbien schwer gerupft sind. Djordjevic’ Vize-Europameister treten nicht etwa mit der zweiten, sondern schon eher mit der dritten Garnitur an. Selbst eine Partie gegen Belgien könnte unerwartet knifflig werden. Auch für Macvan ist das schwer nachvollziehbar. „Wir Spieler stehen jetzt ziemlich alleine zwischen den beiden Seiten“, sagte er, „das ist für niemanden eine gute Situation.“ Patrick Reichelt

Artikel 1 von 11