Peking – Der Eklat über den Protest von Tibet-Aktivisten zum Auftakt der Gastspielreise des chinesischen U 20-Nationalteams in Mainz sorgt jetzt auch für diplomatische Verstimmung. Der Sprecher des chinesische Außenministeriums, Lu Kang, forderte von Gastgeber Deutschland mehr Respekt für die chinesischen Besucher.
Er verurteilte die Aktion, bei der Aktivisten der Tibet-Initiative Stuttgart am Samstag in der ersten Halbzeit des Freundschaftsspiels bei Schott Mainz einige Tibet-Fahnen ausgerollt hatten, um auf das Schicksal der Tibeter aufmerksam zu machen. Die chinesischen Nachwuchsfußballer wollten deswegen zunächst nicht auf den Rasen zurückkehren, erst nach einer halbstündigen Unterbrechung spielten sie weiter.
Tibet gehöre zu den „Kerninteressen“ des chinesischen Volkes, betonte der Sprecher in einer Stellungnahme, die das Ministerium auf der Webseite veröffentlichte. Das Hochland gehöre seit der Antike zu China. „China ist entschieden gegen jedes Land, jede Organisation und jedes Individuum, das die anti-chinesischen, separatistischen Aktivitäten der tibetischen Unabhängigkeitskräfte in irgendeiner Form und unter welchem Vorwand auch immer unterstützt.“
„Gegenseitiger Respekt ist der richtige Weg, um seine Gäste zu behandeln“, führte Lu Kang weiter aus. Darüber hinaus sollten sich zwei Länder auch gegenseitig mit Respekt begegnen. Zuvor hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Gäste aus China zu mehr Gelassenheit aufgerufen und darauf verwiesen, dass in Deutschland Meinungsfreiheit herrsche.
Till Pleuger, Geschäftsführer von Schott Mainz, fordert einen zeitnahen Kompromiss – oder das Ende des Projekts. „Der DFB muss sich mit den Chinesen an einen Tisch setzen und reden, es muss eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Wenn das nicht möglich ist, muss im Interesse aller Beteiligten das ganze Ding eben abgebrochen werden“, sagte er: „Für die Reaktion der Chinesen fehlt mir das Verständnis.“
DFB-Vize Ronny Zimmermann kündigte derweil an, auf die Chinesen einwirken zu wollen. „Wir werden jetzt noch einmal das Gespräch mit der chinesischen Delegation zu diesem Thema suchen und ihr empfehlen, gelassener mit solchen Aktionen umzugehen“, sagte er.
Tibet ist ein alter Konfliktherd. Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1949 in Peking und dem Einmarsch der Volksbefreiungsarmee 1950 in Tibet hatte sich die Volksrepublik das Hochland als autonome Region einverleibt. Viele Tibeter fühlen sich politisch, kulturell und wirtschaftlich diskriminiert, während Peking separatistische Bestrebungen in dem Hochland beklagt.