New York – Die Bestechung hatte „Vorfahrt“: Um die Zahlung von Schmiergeldern an hochrangige Funktionäre aus Südamerika zu verschleiern, erhielten die Empfänger offenbar Automarken als Spitznamen. Nach Aussage von Zeugen beim FIFA-Prozess in New York wurden die Funktionäre unter anderem so genannt: VW, Benz, Fiat, Honda, Peugeot oder Kia.
Dies sagte Santiago Pena aus, ein früherer Mitarbeiter der Sportmarketing-Agentur „Full Play“. In Dokumenten der Firma, die sich in der Vergangenheit unter anderem die TV-Rechte an der südamerikanischen WM-Qualifikation und der Copa America gesichert hatte, tauchen verschiedene Namen auf.
Rafael Esquivel (Ex-Präsident Venezuela) wurde als „Benz“ geführt, Luis Chiriboga (Ex-Präsident Ecuador) als „Toyota“. Juan Angel Napout (Ex-Präsident Paraguay, einst auch FIFA-Vize) hieß „Honda“. Dabei tauchen überwiesene Summen im hohen sechsstelligen Bereich auf. Angeklagt sind die früheren Funktionäre Jose Maria Marin (85/Brasilien), Napout (59/Paraguay) und Manuel Burga (60/Peru).
Dass „Benz“ 640 000 Euro und „Toyota“ 425 000 Euro jeweils für „Q2022“ erhalten haben, stellt erneut den übernächsten WM-Gastgeber Katar (Englisch: Qatar) in einem schlechten Licht dar. Allerdings gehörten weder Esquivel noch Chiriboga dem Exekutivkomitee des Weltverbands FIFA an, das die Endrunde an Katar vergeben hat.
Ob der Mord am Mexikaner Adolfo Lagos tatsächlich etwas mit dem FIFA-Prozess zu tun, bleibt fraglich. Zwar soll auch der nationale Fernsehsender Televisa, dessen Vizepräsident Lagos war, in den Korruptionsskandal verwickelt sein – Lagos hatte laut mexikanischer Quellen aber nichts mit dem Sport innerhalb seines Senders zu tun.
Der 69-Jährige war am Sonntag mit dem Fahrrad in Mexiko-Stadt unterwegs, begleitet von einer Eskorte, als er laut Augenzeugen von zwei Attentätern auf einem Motorrad angegriffen wurde. Im Krankenhaus erlag er seinen Schussverletzungen.
Derweil hat die FIFA erneut drei frühere Funktionäre wegen Bestechung und Korruption lebenslang von allen Fußball-Aktivitäten gesperrt – darunter auch „Benz“ Esquivel. Die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission verurteilte Richard Lai (Ex-Präsident Guam), Julio Rocha (Ex-Präsident Nicaragua) und Esquivel.
Alle drei Ex-Funktionäre haben im Zuge der Ermittlungen der US-Justiz eingestanden, Bestechungsgelder entgegengenommen zu haben. Gegen die Funktionäre wurden Geldstrafen verhängt, die in Relation zu den erhaltenen Bestechungsgeldern stehen. Zur genauen Höhe der Summen machte die FIFA keine Angaben. alexander sarter