Brüssel – Dass der große Bruder nicht dabei war, als der kleine sein Debüt gab, wird beide geärgert haben. Aber wenn man ehrlich ist: Hätte David Alaba die Reise mitangetreten, wäre Marco Friedl mit 99,9-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht zu seinem ersten Profieinsatz im Trikot des FC Bayern gekommen. Die Stelle links hinten ist traditionell eine, auf der die Bayern einen Stammspieler haben. Kann Alaba nicht, ist Juan Bernat dran. Oder seit gestern: Marco Friedl.
Die Besetzung auf der linken Abwehrposition war auf den ersten Blick ein wenig überraschend, auf den zweiten aber dann doch gar nicht unlogisch. Alaba fehlte wegen Rückenbeschwerden, und Bernat kommt gerade erst aus einer Verletzungspause. Warum also nicht dem Nachwuchs eine Chance geben?
Bisher saß Friedl, 19 Jahre alt und beim Rekordmeister meist mit der zweiten Mannschaft in der Regionalliga aktiv, nur auf der Bank. Bis gestern musste sich der Bursche, der von Alaba „kleiner Bruder“ genannt wird, gedulden, dann aber sprach ihm Jupp Heynckes laut Sportdirektor Hasan Salihamidzic „das ganze Vertrauen“ aus. Neben Niklas Süle und Jerome Boateng agierte der in Kirchbichl aufgewachsene österreichische Jugendnationalspieler als Alaba-Ersatz. Meist unauffällig. Er hätte seine Sache aber definitiv schlechter machen können.
An den zahlreichen Anderlechter Großchancen in der ersten Halbzeit war Friedl kaum schuld, musste aber viel ackern. Und beim Gegentor zum Ausgleich agierte er arg passiv. Auch nach vorne kam noch nicht viel. Er wählte lieber den Sicherheitspass, flankte ein paar Mal vergeblich. Durchaus interessant aber waren Szenen wie jene, in denen er sich wegen eines nicht gegebenen Einwurfs aufregte. Er gestikulierte, schimpfte, im Stile eines „großen Bruders“. Im Klub beobachtet man den Weg des Eigengewächses genau. Gestern sollte nur der Anfang sein – Friedls Vertrag geht bis 2021. roy