TSV 1860

Fauser passt nicht ins Löwen-Budget

von Redaktion

Geschäftsführer-Posten soll neu besetzt werden – aber nicht mit dem von Hasan Ismaik gewünschten Anthony Power

München – Hasan Ismaik liebt Bilder und Metaphern. Am Mittwochvormittag deutscher Zeit postete der Investor des TSV 1860 ein Foto des steinernen Klubemblems vor der Geschäftsstelle. Herbstlich verschmutzt – ein Symbol für den Zustand des traditionsreichen Viertligisten?

Die jüngsten Entwicklungen haben die Hoffnungen auf eine positive Zukunft nicht wachsen lassen. Ismaiks Sondierungsgespräche bezüglich eines Anteilsverkaufs sind (vorerst?) gescheitert, der e.V. hält an seiner Linie fest, keine weiteren Darlehen vom Hauptgesellschafter mehr anzunehmen. Mittendrin hängt Trainer und Kaderplaner Daniel Bierofka, der mit seiner guten, aber keinesfalls überragenden Mannschaft den Aufstieg in die 3. Liga schaffen soll – ohne zu wissen, welches Budget ihm im Falle des Falles zur Verfügung stünde. Bislang konnte Bierofka zumindest halbwegs in Ruhe arbeiten. Doch nun mehren sich die Störgeräusche.

Zur Ismaik/Mey-Posse gesellt sich der negative Prüfbescheid in Sachen Kündigung des Kooperationsvertrags. Bis zur vergangenen Woche hatten die e.V.-Vertreter gehofft, Ismaik mit einer Kündigung aus der Reserve locken zu können. Die zu erwartende Eskalation wurde als Chance auf einen Befreiungsschlag interpretiert. Nun haben die Klub-Juristen klar signalisiert, dass eine Kündigung nach Abschluss einer Sanierungsvereinbarung mit Ismaik aus dem Sommer vor Gericht keine Aussicht auf Bestand hätte. Präsidium und Verwaltungsrat werden sich bald dazu erklären (müssen).

Das nächste Thema ist der temporäre Geschäftsführer Markus Fauser. Der Schwabe, Partner in der Wirtschaftskanzlei Anchor, ist nach der Vermeidung der 1860-Insolvenz weiterhin damit beschäftigt, den Sanierungsplan umzusetzen, um seinen stattlich dotierten Posten bei den Löwen anschließend wie vereinbart zu räumen. Fauser wollte sich auf Nachfrage der tz nicht zur Sache äußern. „Interne Dinge“ wolle er nicht kommentieren.

Fauser passe nicht ins Budget, heißt es hinter den Kulissen, selbst wenn seine Bezüge einvernehmlich angepasst worden seien. Als Favorit auf die Nachfolge gilt 1860-Finanzdirektor Michael Scharold. Der von Ismaik gewünschte Anthony Power (inzwischen Co-Geschäftsführer der Merchandising GmbH) soll notfalls wieder per 50+1 verhindert werden. Weitere Zwistigkeiten sind programmiert.

Überdies ist längst nicht klar, inwiefern Ismaiks Forderungen nach einer Umgestaltung der Löwen erfüllt werden können. Die im Widerspruch zu den Verbandsstatuten stehende komplette Übertragung der Nachwuchsabteilung in die KGaA steht weiterhin im Raum, auch die Problematik der Gemeinnützigkeit ist längst nicht gelöst. „Eine Seite wartet, bis die andere aufgibt“, beschreibt ein Insider die Situation. Auch das hat Tradition: Der größte Gegner sind sich die Löwen nach wie vor selbst. L. Krammer, F. Fussek

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