Bundesliga kann von FCA-Coach lernen

Mut zu Bus und Bahn!

von Redaktion

Am vergangenen Samstag spielte der FC Augsburg beim FC Bayern, danach fuhr die Mannschaft die gut 70 Kilometer von der Fröttmaninger Arena aus mit dem Bus nach Hause. Allerdings ohne den Trainer: Manuel Baum wohnt in München, da lag es nahe, gleich in der Stadt zu bleiben. Bei einem großen Klub wäre das so gehandhabt worden, dass ein Fahrdienst den Wagen des leitenden Angestellten zum Stadion bringt und übergibt. Der FCA ist kein großer Klub: Manuel Baum vertraute sich den öffentlichen Verkehrsmitteln an, er nahm die U-Bahn. Gut eine Stunde nach dem von über 70 000 Menschen besuchten Spiel.

Das zeigt: Der Mann ist keine Spur eingebildet, er hat einen Sinn für Pragmatismus, er scheint auch das örtliche Tarifsystem zu verstehen, und er denkt an die Umwelt. Bravo!

Doch leider ist diese ökologische Heldentat bis auf einen Nebensatz in der „Augsburger Allgemeine“ bislang untergegangen. Noch nicht mal in den Tiefen des Internets findet sich dazu etwas. „Manuel Baum U-Bahn“ googeln – es kommen zwar Treffer, aber alle mit dem Vermerk „Ohne U-Bahn“. Niemand, der ein Selfie gemacht und ins Netz gestellt hat? Da gibt es nur diese Möglichkeiten: Entweder blieb der junge Bundesligatrainer Baum unerkannt, er wurde aus Mitleid (0:3, chancenlos gewesen) nicht angesprochen, oder die Passagiere getrauten sich nicht, ihn zu behelligen, weil er grimmig auf sein Smartphone blickte und das Spiel analysierte (er ist ein Freak: 24 Stunden Fußball am Tag).

Jedenfalls: Schön, dass uns der Fußball doch noch diese Momente der Volksnähe liefert. Sie sind halt selten. Jos Luhukay fällt uns ein, der Trainer, der eine BahnCard100 besitzt (weil er ungern fliegt und Venlo, sein niederländischer Heimatort, gut ans Schienennetz angebunden ist). Jens Lehmann setzte sich, nachdem er als junger Torwart mal in Leverkusen ein Spiel verpatzt hatte und ausgewechselt worden war, in die S-Bahn. Und die deutsche Nationalmannschaft ist rund um zwei Länderspiele in London mit der „Tube“ gefahren (einmal blieb der Bus im Verkehr stecken). Niemand ist zu Schaden gekommen. Daher, liebe Bundesliga, lieber Fußball: Mut zu Bus und Bahn.

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