Stuttgart – Das „Event“ im Stuttgarter Mercedes-Museum ist vorbei, jetzt kommen die Handwerker. Und ganz fix zerlegen sie die schöne neue DFB-Akademie.
Also das Modell von ihr, das der Deutsche Fußball-Bund hat anfertigen lassen, damit die Leute eine Vorstellung bekommen, wie es in ein paar Jahren, so 2020/21 herum, dort aussehen soll, wo jetzt noch die Galopprennbahn Frankfurt steht. Der Tisch, auf dem die drei Rasenplätze, die Ganzjahres- und die Futsalhalle und die Räumlichkeiten für die Verwaltung aufgebaut sind (307 Meter lang wird der Gebäudekomplex sein), muss gerade auf Tour gehen. Am Dienstagabend war er in Stuttgart, gestern in Koblenz, am Samstag hat er Termine in Oschersleben und Barsinghausen, am Montag in Duisburg. Der DFB bringt seine So-schön-wird-unsere-Akademie-Landschaft zu den Landesverbänden und deren Delegierten, die am 8. Dezember beim Bundestag in Frankfurt entscheiden müssen: Machen wir das?
Es ist ja klar: Die DFB-Akademie, für die vor allem der Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff kämpft, wird kommen, mit einem BGH-Urteil im Rücken geht der DFB davon aus, dass er das Filet-Grundstück in Frankfurt übernehmen und bebauen kann; ein paar kleinere Prozesse stehen noch aus, doch DFB-Präsident Reinhard Grindel wird in seinen Träumen schon recht konkret: „Es wäre schön, mit unserer Nationalmannschaft im Sommer 2018 den Spatenstich zu vollführen – und unmittelbar danach fliegt sie zur WM nach Russland.“
Worum es nun geht: um den verbandsinternen Rückhalt für das Projekt, das manchem zu elitär erscheinen mag, wenn Bierhoff vom „Think-Tank Innovation und Forschung“ oder vom „TechLab“ spricht. Das kostet ja auch alles was: Die erste Kalkulation lag bei 77 Millionen Euro, mittlerweile – auch weil sich die Übernahme-Rechtsstreitigkeiten hinzogen – ist man bei „bis zu 150 Millionen Euro“ (Grindel). Bange an der Basis: Und was haben wir davon?
Daher die Roadshow des DFB-Präsidiums mit Grindel, mit Vize Rainer Koch aus Bayern, mit Schatzmeister Osnabrügge, Generalsekretär Curtius und Bierhoff. Sie wollen aufzeigen, dass die Akademie auch den 25 000 im Verband organisierten Vereinen dienen werde. Die ganze Verwaltung soll hier einziehen, in der Präsentation wird kaum noch von „Akademie“ geredet, sondern vom „Haus des deutschen Fußballs“. Motto: Alle unter einem Dach, alle bringen sich ein. Natürlich wird diese Zentrale „die Heimat unserer Nationalmannschaft“ sein, so Präsident Grindel. Seine Argumentation: Das DFB-Team spiele das Geld ein, „wenn ab 1. Januar 2019 die neuen Verträge mit Adidas und Volkswagen (löst Mercedes ab, d. red,) laufen, geht mehr Geld an die Landesverbände“.
Deren Delegierte spricht man mit der Tour an. Es kommen immer zwischen 60 und 80 Vereinsvertreter, es gibt eine Frage- und Antwortrunde. Das Plenum Bundestag sei manchem zu groß, erläutert Grindel, Wortmeldungen würden eher gescheut. Er will nicht den Eindruck aufkommen lassen, „dass bei uns nicht diskutiert wird“. Und nur abgestimmt – ohne zu wissen worüber.
Am 8. Dezember in Frankfurt wird es auch noch um eine Aufstiegsregelung für die fünf Regionalligen gehen (Grindel: „Antragsschluss ist am Donnerstag, wir haben schon viele Vorschläge bekommen“) und um den Grundlagenvertrag mit dem Amateurfußball. Der DFB will alle Zusatzvereinbarungen vorlegen, „es gibt bei uns keine Geheimwirtschaft“, sagt Vizepräsident Reiner Koch.
Der ehemalige Präsident der SpVgg Unterhaching, Engelbert Kupka, vertritt die Ansicht, die Vereine bekämen nicht das Geld, das ihnen zustehe, er hat ein Aktionsbündnis gegründet, attackiert die DFB-Spitze scharf und medienwirksam. Grindel und Kupka sind sich nur einmal begegnet, bei einem „kicker TV“-Talk zum Thema: vor allem Koch als Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes hat mit dem „Rebellen“ Kupka zu tun.
„Herr Kupka ist für mich eines von 1,6 Millionen Mitgliedern in Bayern“, sagt Koch. Er richte derzeit einen Kreistag nach dem anderen aus, will dabei bemerkt haben, „dass Herr Kupka nicht die Unterstützer hat, wie er es vorgibt“. Regelmäßig schaut Koch auf die Facebookseite von Kupka und dessen Gruppierung: „Seit einem halben Jahr steht er bei 1538 Likes – obwohl er ständig im Fernsehen und in der Zeitung ist.“