Der EHC und sein Nürnberg-Komplex

von Redaktion

Eishockey-Meister verliert zum sechsten Mal in Folge gegen die Ice Tigers und liegt in der DEL-Tabelle fünf Punkte zurück

Von Günter Klein

Nürnberg – Ein Null-Punkte-Wochenende kommt bei den besten Eishockeyklubs vor. Nun hat es auch den EHC München erwischt. Die Resultate für den Meister der Jahre 2016 und 17 und den einhelligen Favoriten für 2018: ein 2:5 am Freitag zuhause gegen Wolfsburg, gefolgt von einem 1:5 (0:2, 0:1, 1:2) in Nürnberg.

Niederlagen gegen Wolfsburg, Finalseriengegner der Meisterjahre, sind selten, die gegen Nürnberg aber Alltag. Es war das sechste Mal in Folge, dass der EHC an den Ice Tigers scheiterte. 2:3, 1:2, 5:6 und 1:4 – so war es in der Vorsaison ausgegangen, heuer gab es bereits ein 1:2. Sieht nach einem Nürnberg-Komplex aus. Die Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga kündet von der Hierarchie: Nürnberg ist Spitzenreiter, hat fünf Punkte zwischen sich und den EHC gelegt.

Jedenfalls: Die Ice Tigers wissen, wie sie die Münchner zu nehmen haben. Nürnbergs Sportlicher Leiter Martin Jiranek verkündete es sogar öffentlich über ein Interview, das auf dem Videowürfel der Arena ausgestrahlt wurde: Die EHC-Verteidiger seien im Vorwärtsgang wie sonst niemand in der DEL, aber „wenn man die Scheibe an ihnen vorbeibringt, schafft man Zwei-gegen-eins- und Drei-gegen-eins-Situationen.“ Stimmt – doch diesmal fielen die Treffer gegen München in der Mehrzahl ganz anders.

David Steckel war die prägende Figur des ersten Drittels. Ein Mann, der nicht zu übersehen ist. Mit Schlittschuhen über wei Meter groß, mit Ausrüstung weit über hundert Kilo schwer. Weitere Daten: Er ist 35 Jahre alt und entsprechend routiniert, bis 2014 hat er in der NHL gespielt (für Washington, New Jersey, Toronto, Anaheim), im dritten Jahr dient er nun den Nürnberg Ice Tigers. Er ist ein Mann für die Körperarbeit, doch am Sonntag zeigte er, dass er noch mehr hat in seinem Repertoire. Er schoss das 1:0 (13.), bei dem er den Puck listig EHC-Torwart David Leggio über die Stockhand setzte, in der 17. Minute legte er seinem Kollegen Leo Pföderl die Scheibe so in den Lauf, dass daraus das 2:0 entstand und Münchens Verteidiger Derek Joslin mal wieder nur staunen konnte. Vor 7632 Zuschauern in der ausverkauften Nürnberger Arena ging die Spitzenpartie der DEL in eine klare Richtung.

Sie wurde auch im zweiten Durchgang beibehalten. Die Münchner kamen zu nur für sie erbärmlichen sieben Schüssen aufs Tor, obwohl sie vier Minuten in Überzahl agieren durften. Als dann aber erstmals ein EHC-Akteur (Jerome Flaake) draußen saß, klingelte es umgehend im Kasten von Torwart David Leggio: Nach 14 Sekunden stellte Dane Fox auf 3:0 für Nürnberg.

Mit spürbaren Aufholjagd-Vorsätzen ging München ins letzte Drittel, doch ein Nürnberger Verteidiger-Tor (Weber) und ein Konter (Möchel) schufen ein 5:0 für die Ice Tigers. Niklas Treutle, Ex-Münchner im Kasten der Franken, ließ nur einen Gegentreffer zu, durch Maxi Kastner (52.). Nürnberg spielte sein Pensum tabellenführer-like herunter.

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