München – Die Szenen, die sich am Freitagabend um kurz vor 23 Uhr im Audi Dome ereigneten, erinnerten ein wenig an damals, als Uli Hoeneß etwas falsch verstanden hatte. Denn der Präsident des FC Bayern war bei der obligatorischen Fragerunde im Anschluss an die Jahreshauptversammlung genau so eingekesselt von Kameras und Medienvertretern wie bei diesem Termin im April 2016. Ein einzelner Mann auf der einen Seite des Absperrbandes, rund 50 auf der anderen.
Vor eineinhalb Jahren war der 65-Jährige noch nicht wieder zum Präsidenten gewählt worden, sprach aber in der FC Bayern Erlebniswelt über den anstehenden Transfer von Mats Hummels und sagte: „Wir wären schlecht beraten, wenn einer an die Tür klopft, die Tür nicht aufzumachen. Wenn ich das alles richtig lese und höre, ist es sein Wunsch, nach München zu kommen.“ Der Rest ist bekannt: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke war sauer, Hummels ebenso verstimmt und Karl-Heinz Rummenigge stellte klar: „Uli hat da was missverstanden.“
Am Freitag berichtete Hoeneß freilich nicht von Hummels, der längst wieder ein echtes Münchner Kindl geworden ist. Aber er sprach über einen anderen Mann, der aus der Landeshauptstadt stammt und bald wieder zurückkommen möchte. Der Wintertransfer von Sandro Wagner wirkte eigentlich bis zuletzt, als sei er in trockenen Tüchern. Es gehe noch um die Ablöse, hieß es, angeblich fordert Hoffenheim zwölf Millionen Euro. Aber Hoeneß sagte nun: „Wie ich höre, liegen wir meilenweit auseinander. So wie sich das im Moment darstellt, wird sich das ziemlich zerschlagen.“
Es war eine der letzten Aussagen des langen Abends. Aber es war eine, die deutlich mehr nachhallte als die Jahresbilanz der Kegler, die Ankündigung eines kurzen US-Trips im Jahr 2018, der Disput über ein Rauchverbot in den Blöcken der Allianz Arena und die Debatte um rote Sitzschalen. Hoeneß zog bald nach diesen Worten von dannen – und zwar nicht mehr so gut gelaunt wie in den dreieinhalb Stunden zuvor. Zurück ließ er eine ratlose Medienschar. Irgendwie wollte ihm diese Aussage kaum einer so richtig abkaufen.
Man muss in der Interpretation berücksichtigen, dass sich die Dinge seit April 2016 grundlegend geändert haben. Hoeneß ist wieder der starke Mann beim FC Bayern, das bewies nicht zuletzt die Versammlung am Freitag mit Spitzen in alle Richtungen (DFB, Paris St. Germain, TSV 1860 – die Klassiker). Man darf also davon ausgehen, dass er – vor allem weil zwischen ihn und Rummenigge ja offiziell „kein Blatt Papier“ mehr passt – in die Verhandlungen involviert ist. Und trotzdem wird der Transfer sicher nicht umsonst von anderen als so gut wie fix bezeichnet.
Morgen steht passenderweise ein Termin mit Rummenigge an. Ausgeschlossen ist nicht, dass die Worte „falsch verstanden“ fallen. hanna raif