Assistent aus Leidenschaft

von Redaktion

Emir Mutapcic war als Chefcoach dreimal Meister – bei Bayerns Basketballern fühlt er sich in der zweiten Reihe wohl

VON Patrick Reichelt

München – Für sein Stück Heimat muss Emir Mutapcic nicht weit laufen. Nur ein paar hundert Meter von seiner Wohnung im Münchner Universitätsviertel entfernt hat der Assistenztrainer der Basketballer des FC Bayern ein gemütliches bosnisches Lokal ausgemacht. Wenn es seine Zeit erlaubt, zieht er sich dorthin zurück. In diesen Tagen war er öfter dort. Ein angenehmer Nebeneffekt der viel diskutierten Länderspielpause.

„Ein paar ruhigere Tage haben schon ganz gut getan“, sagte Mutapcic. Ein paar neue Kräfte sammeln, dazu ein paar gezielte Trainingseinheiten. Wann kann man das schon in einem Spielplan, der seinen Bayern bis dahin 16 Spiele in gut eineinhalb Monaten bescherte? Mutapcic will sich nicht beschweren. „Dafür bin ich beim FC Bayern“, sagte er.

Seit vier Jahren ist er nun schon Münchner. Svetislav Pesic hatte ihn einst zum FC Bayern gelockt. Wenn der alte Freund ruft, das ist so etwas wie eine Gesetzmäßigkeit ihrer fast vier Jahrzehnte langen gemeinsamen Geschichte, dann kommt Mutapcic auch. Zur Stellenbeschreibung gehörte dann auch die Rolle als eine Art Sonderbewacher für den Chef. Die Szenen hat man oft gesehen, wie der große Assistent den kleinen Trainer von der Seitenlinie räumte, wenn der sich mal wieder Ärger mit den Unparteiischen einzuhandeln drohte. „Viele haben gedacht, das war Show“, sagte Mutapcic, „aber Pesic ist mein Freund. Wenn ich gemeint habe, es ist besser für ihn, dann habe ich eingegriffen.“

Als Svetislav Pesic die Bayern im Sommer 2016 verließ, hatten viele damit gerechnet, dass Mutapcic wieder Chefambitionen folgen könnte. Doch er blieb auch unter Nachfolger Sasa Djordjevic. Er wollte es mal ein Jahr probieren, nun sind es bald schon wieder zwei. Der Mann, den alle nur Muki nennen, kannte Djordjevic aus aktiven Tagen. Auch bei ihm ist er nun für die Betreuung der Spieler auf den sogenannten großen Positionen zuständig. Ob sich das ändern würde, wenn ihn der derzeit noch vereinslose Pesic noch einmal ruft? „Ich bin zufrieden hier“, sagte er. Man ahnt: Der 57-Jährige, der einst Alba Berlin zu drei Meisterschaften und zwei Pokalsiegen führte, hat andere Maßstäbe. Mutapcic fühlt sich wohl in München, auch Ehefrau Vesna ist in der Stadt verwurzelt. „Ich hatte Angebote von einigen Vereinen“, sagte er, „aber ich bleibe, solange mir diese Arbeit Spaß macht.“

Nur einmal ist der Mann dann doch schwach geworden. Für einen Sommer (2014) betreute er die deutsche Nationalmannschaft. Den Job hätte er durchaus weitergemacht. Doch der deutsche Verband, für den Mutapcic zuvor schon als U20-Trainer aktiv gewesen war, entschied sich seinerzeit für Chris Fleming.

Mittlerweile hat Hendrik Rödl den Job übernommen. Das Profil allerdings hat sich geändert, mit der Einführung der Länderspielfenster während der Saison ist Bundestrainer ein Ganzjahresjob geworden. Mutapcic schätzt das, anders als der in der NBA engagierte Fleming ist Rödl für die Nationalspieler ständig greifbar. Und auch die erhöhte Präsenz der Auswahlteams während des Winters findet Mutapcic gut. „Mit solchen Spielen finanziert der Verband seine Arbeit, von der wir auch leben“, betonte er.

Voraussetzung dafür wäre eine Einigung zwischen dem Weltverband FIBA und der Euroleague, die in ihrem umfangreichen Spielplan bislang keine Lücken für Länderspiele lassen möchte. Besserung nicht in Sicht – nach Lage der Dinge stockt die Königsklasse ihr Teilnehmerfeld bereits im kommenden Jahr noch weiter auf.

Gut möglich, dass dann auch Mutapcic’ Bayern mit von der Partie sind. Auf sein Stück Heimat wird der ewige Assistent dann wohl öfter verzichten müssen.

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