Havanna – Sie sind eine kleine Minderheit auf der Karibikinsel Kuba, wo Sportbegeisterte vor allem dem Baseball frönen. Doch langsam aber sicher bahnen sich die „Cubayern“, wie die Anhänger der Fußballstars von Bayern München genannt werden, ihren Weg. Hoch im Kurs dieser karibischen Fans stehen unter anderen Robert Lewandowski, Thomas Müller, Arjen Robben oder auch Torhüter Manuel Neuer. Auf den Heckscheiben so mancher Lada-Autos aus vergangenen Zeiten prangt der Bayern-Aufkleber.
„Der Biss, den Bayern hat, stellt den deutschen Fußballstil dar, den die Menschen in der Bundesliga sehen wollen“, sagt Bryan Vega, der Präsident des –im November 2014 gegründeten – Fanclubs. Binnen drei Jahren hat „Cubayern“ in Havanna fast 200 Mitglieder gewinnen können.
Doch auch in anderen Städten der Karibikinsel wie etwa Granma, Holguín, Las Tunas oder Pinar del Río gibt es eingefleischte Bayern-Fans. Die Begeisterung für den deutschen Fußball auf der Karibikinsel hat dabei gar nichts mit Kubanern zu tun, die vor Jahrzehnten in das damalige, sogenannte sozialistische Bruderland DDR zum Studieren oder Arbeiten gekommen waren. „Die Bayern-Fans sind junge Männer, die den deutschen Fußball wegen des Teamgeistes toll finden und nicht wegen der Leistung Einzelner“, betont der „Cubayern“-Präsident.
Aber auch Frauen finden sich in den Reihen der Bayern-Fans und strafen das karibische Macho-Klischee Lügen. „Mir gefällt Fußball, seit ich in der Grundschule war, das ist nicht nur was für Männer“, sagt etwa Daniella Rius. Sie wird nicht müde, auch andere Mädchen und Frauen als Bayern-Fans zu gewinnen.
„Alte Hasen“ gibt es ebenfalls unter den karibischen Bayern-Fans. Dazu gehört etwa der 50-jährige Mario Velázquez, der der Mannschaft schon seit den 1980er Jahren treu ist. Als Anerkennung seiner langjährigen Bayern-Begeisterung nennen die Anderen ihn „El Káiser“ – immerhin der Spitzname des legendären Franz Beckenbauer.
Das Ass, mit dem Vega neue Mitglieder umwirbt, ist der Siegeswille von Lewandowski & Co. „Bayern ist eine Mannschaft mit großen Spielern, die immer um den Sieg kämpfen.“ Die „Cubayern“ folgen aber nicht nur mit Leidenschaft der Bayern-Elf. Auch fiebern sie mit anderen deutschen Mannschaften, etwa bei Spielen der Champions League. „In der Bundesliga sind wir (als Bayern-Fans) Rivalen, doch in Europa nicht.“
In einem Land, in dem Baseball nicht nur Nationalsport ist, sondern auch als Teil der kubanischen Identität gesehen wird, hat es der Fußball nicht leicht. Noch vor einigen Jahren mussten die Fans in die Bars der Hotels gehen, um Spiele sehen zu können, doch mittlerweile überträgt das kubanische Staatsfernsehen die Spiele der wichtigsten europäischen Ligen sogar live.
Nicht wenige Bayern-Fans auf Kuba träumen davon, ihren Landsmann Onel Hernández im Bayern-Trikot zu sehen. Der 24-Jährige war mit seiner Familie im Alter von sechs Jahren nach Deutschland gekommen. Aktuell spielt er in der 2. Bundesliga für Eintracht Braunschweig.