Fauser feiert, Reisinger mauert

von Redaktion

Beim Thema Perspektive verweist der 1860-Präsident auf den scheidenden Geschäftsführer, der gestern 40 wurde

München – Mit 40 Jahren wird der Schwabe „gscheid“, sagt der Volksmund. So gesehen war es nur logisch, dass sich Markus Fauser gestern eine kleine Auszeit gegönnt hat. Wo der Stuttgarter seinen „40er“ gefeiert hat, ist nicht bekannt. Fest steht nur, dass der Sanierungsexperte auch künftig wieder mehr Zeit für sein Kerngeschäft bei der Kanzlei Anchor haben wird. Seine Tage als Geschäftsführer bei den Löwen sind gezählt. Eine gescheite, da überaus logische Entscheidung.

Offiziell heißt es, der Regionalligist kann und will sich die stattlichen Honorarsätze des Schwaben nicht mehr leisten. Inoffiziell dürfte jedoch auch Fauser gesehen haben, dass es äußerst schwer ist, beim TSV 1860 handfeste Ergebnisse zu erzielen. Der Grund ist in der vereinspolitisch verfahrenen Lage zu suchen – und bei den sturen, in gegenseitiger Ablehnung verbundenen Gesellschaftern.

Investor Hasan Ismaik? Wartet genüsslich ab, wie das Kartellamt seine Klage gegen 50+1 bewertet. Dem gegenüber steht ein Präsidium, das sich auf die Fahne geschrieben hat, keine neuen Darlehen beim Jordanier aufzunehmen. Zwischen diesen Mühlrädern reibt sich auch der diplomatischste Geschäftsführer auf. Den akutesten Leidendruck scheint Daniel Bierofka zu verspüren. Der Trainer fleht in regelmäßigen Abständen, man möge doch bitte seinen Kader verstärken, ihm einen Sportdirektor zur Seite stellen und ganz allgemein: eine Perspektive aufzeigen.

Bei so viel Stillstand verwundert es kaum, dass sämtliche Bosse lieber abtauchen, anstatt Interviews zu geben. Fauser mauert, Ismaik schmollt, und auch Robert Reisinger schweigt. Nur zu einem Punkt war der Präsident bereit, Stellung zu nehmen – es betraf sein angeblich neutrales Verhältnis zu Bierofka, der gesagt hatte: „Wir grüßen uns – das war’s dann auch.“

„Wenn ich nicht täglich das Gespräch mit Daniel Bierofka suche, dann sollte das keinesfalls als Interesselosigkeit gewertet werden, sondern als Vertrauen in seine Arbeit“, stellte Reisinger klar: „Ich bin nicht der Präsident, der in jede Kamera winkt und zu allem ein Statement abgibt.“ Die Distanz sei „als Zeichen des Respekts“ zu deuten.

Reisinger verwies noch darauf, dass sich der Trainer „in Fragen der Perspektive im Austausch mit der Geschäftsführung“ befinde – womit der Ball zurück zu Markus Fauser rollte. Der hatte aber gestern Besseres zu tun. uli kellner

Artikel 1 von 11