Warum macht der Uli das?

von Redaktion

Rummenigge vermittelt und stellt klar, dass Bayerns Coach im Sommer nicht Heynckes heißen wird

von hanna raif

München – So eine ungewohnt freie Woche ist beim FC Bayern ja eine Seltenheit, und wenn am Dienstag und Mittwoch mal kein Ball rollt, ist auch die Gelegenheit da, ein paar Dinge zu sortieren. Auf dem Platz nimmt die Trainingsbeteiligung sukzessive zu, während sich die lange Verletztenliste zumindest ein wenig verkürzt. Und auch in der Geschäftsstelle ist Zeit, neue – oder besser: alte – Ordnung zu schaffen. Karl-Heinz Rummenigge hat in diesem Zuge vorgestern einen Anruf bekommen. An der Strippe war der Trainer, den der Vorstandsboss des FC Bayern beschäftigt. Jupp Heynckes stellte eine Frage: „Warum hat der Uli das gesagt?“

Der Uli, das ist freilich Uli Hoeneß, und in der Tat hatten dessen Aussagen zur Zukunft des 72 Jahre alten Interimscoaches nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch so gut wie jeden anderen verwundert. Nein, es sei nicht ausgeschlossen, dass Heynckes doch noch eine Saison dranhänge, hatte der Präsident im Rausch der demonstrativ von Harmonie geprägten Jahreshauptversammlung herausposaunt. Und der Mann, der sich im Sommer definitiv in sein geliebtes Schwalmtal zurückziehen will, musste sich daraufhin erklären. Vor zahlreichen Mikrofonen in Gladbach, immer und immer wieder. Richtig geschmeckt hat ihm das nicht.

Die Frage, warum der Uli das gemacht hat, konnte auch Rummenigge nicht final beantworten. Immerhin stellte sich der Vereinsboss aber gestern vor seinen Intimus Hoeneß und versicherte: „Uli hat die Diskussionen nicht angefeuert, er hat mit dem Satz seine Wertschätzung ausgedrückt.“ Dieses wenig überzeugende Argument habe er auch Heynckes so übermittelt, dann war es angeblich „okay“.

Das ändert aber nichts am Resultat der womöglich unüberlegten, womöglich aber auch nicht ganz so unüberlegten Worte: Die komplexe Problematik Trainersuche hat durch die Aussage wieder mächtig Fahrt aufgenommen, deutlich mehr als allen Beteiligten lieb sein kann. Für Heynckes, sagte Rummenigge, sei klar, „dass er sich an seine Vereinbarung halten will. Das ist auch okay.“ Im Sommer 2018 wird also ein Coach auf der Bayern-Bank sitzen, der einen anderen Namen trägt.

Die Kandidaten sind öffentlich ausreichend diskutiert worden. Da Julian Nagelsmann aber im Westen der Republik auffallend nachdrücklich als nächster Dortmunder Trainer gehandelt wird und Thomas Tuchels Eigenheiten die Bosse zum Grübeln gebracht haben, ist die Liste der potenziellen Heynckes-Nachfolger inzwischen undurchsichtiger geworden. „Zeit gewinnen“ wolle man laut Rummenigge „überhaupt nicht“, vielmehr werde man sich „in aller Ruhe“ mit dem „Thema Trainerzukunft“ auseinandersetzen. Er könne sich vorstellen, „dass Jupp dabei auch eine Rolle spielen wird“. In beratender Funktion, versteht sich. Die Meinung des Triple-Coaches zählt in diesem Klub.

Im Jahr 2017 wird man offiziell angeblich nichts mehr hören, erst nach Silvester, nach dem Trainingslager in Katar sind Nachfragen wieder erlaubt. Rummenigge sagte: „Das habe ich bei Jupps Vorstellung so gesagt und dabei bleibt es.“ Wenn er das nächste Mal über einen neuen Trainer spricht, dürfte das zweite brennende Thema also schon in trockenen Tüchern sein. Denn – auch da widersprach Rummenigge Hoeneß: Der Transfer von Sandro Wagner nach München sei mitnichten so unrealistisch, wie der Präsident („wird sich ziemlich zerschlagen“) es dargestellt hatte.

Rummenigge sei klar gewesen, dass Hoffenheim im Poker um den Stürmer, der bei den Bayern als Ersatzmann von Robert Lewandowski agieren soll, „nicht tief, sondern höher schießen wird als wir“. Aktuell liegt man bei den Vorstellungen der Ablöse noch weit auseinander, „ob man da einen gemeinsamen Nenner finden wird, kann auch ich noch nicht vorhersagen“. Und sicherlich sei der FC Bayern auch nicht dazu bereit, „jeden Betrag mitzugehen“. Auch hier soll ein Gespräch mit Heynckes folgen, der die Notwendigkeit des Kaufes bewerten soll. Wenn man sich dann finanziell annähern kann, „würde ich das Ganze nicht ausschließen“. Man beschränke sich aber „nicht exklusiv auf den Fall“.

Rummenigge betonte vor allem die „schwierige private Situation“ von Wagner, dessen Frau – schwanger mit dem dritten Kind – in München lebt, während er pendelt. Die Interessenlage sei eine gemeinsame, zudem habe der 29-Jährige sicher auch schon mit Joachim Löw darüber gesprochen, wie ein möglicher Bankplatz bei den Bayern mit seinen WM-Ambitionen einhergehen könnte („das werden sie schon unkompliziert gelöst haben“).

Wagner will unbedingt nach München, deshalb ist es nicht auszuschließen, dass auch er bald mal bei Rummenigge durchklingeln wird, um zu fragen: Warum hat der Uli das gesagt? Die Antwort wäre in diesem Fall aber leichter zu geben. Sie würde lauten: Weil der Transfermarkt halt so funktioniert.

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