Frankfurt – Die Qualifikation zur WM 2018 ist gespielt, die Playoffs sind vorüber, Italien, gescheitert, hat sich ausgeweint, und Länderspiele gibt es erst wieder gegen Ende März – es müsste also Frieden herrschen auf der internationalen Bühne.
Umso überraschender ist eine Attacke auf Weltmeister Deutschland, sie kommt aus Argentinien, aus dem Land des Vizeweltmeisters von 2014, der ziemliche Mühe hatte, sich fürs Turnier 2018 überhaupt zu qualifizieren. Jorge Sampaoli lästerte ohne einen konkreten Anlass bei einer Fragerunde in einer Journalistenschule in Buenos Aires: Die deutsche Elf werde er nicht dem Kreis der Titelfavoriten zurechnen, denn: „Ich mag nicht, wie sie spielen“, besondere Stars hätte sie auch nicht. Eher bevorzuge er Spanien und Frankreich, für Deutschland spreche llenfalls „eine gute Struktur“, und das europäische Trio sei Argentinien nur aufgrund der Eingespieltheit über einen längeren Zeitraum „einen Schritt voraus“. Sampaoli ist erst ein paar Monate im Amt, in vier Qualifikationsspielen hat er drei Unentschieden und einen Sieg abgeliefert.
Und wie reagiert Jogi Löw auf diese Worte? Mit demonstrativer Wurstigkeit. „Ich habe es gehört, davon gelesen – und vergesse es schon wieder.“ Emotional berühre ihn das nicht sonderlich, jeder Trainer könne seine Meinung haben. Kein Problem.
Er ist zu lange im Amt (Chef seit 2006, zuvor zwei Jahre Assistent), um sich vor einem Turnier zu sehr auf Hierarchien festzulegen. „Das weiß auch der argentinische Nationaltrainer, dass es sieben Spiele bedarf, um den Titel zu gewinnen und dass in einem Turnier vieles passieren kann. Ein Ausrutscher oder wie uns ein Spiel gegen Algerien.“ Im Achtelfinale der WM 2014 musste Deutschland damals gegen die Nordafrikaner in die Verlängerung. Sampaoli erlebte das Turnier in Brasilien als Trainer der chilenischen Auswahl mit, ein Freundschaftsspiel ein paar Monate vorher verlor er in Stuttgart gegen die DFB-Vertretung mit 0:1.
Löw sagt ganz entspannt, dass es ja keinen Wert habe, vor den Großereignissen zu debattieren, wem man das Prädikat großer Favorit oder Geheimfavorit oder Mitglied des erweiterten Favoritenkreises anheften möge. „Wir hatten bei der Europameisterschaft 2012 eine Vorrundengrippe mit Niederlanden, Portugal und Dänemark. Wir alle waren Top-Zehn-Nationen der Weltrangliste.“ Und somit alle irgendwo Favoriten, von denen zwei auf der Strecke bleiben mussten.
Gleichwohl wird das öffentliche Favoritenausrufen am Freitagabend wieder beginnen. Und gewiss wird man im Tableau mit als erstes überprüfen, wann Deutschland und Argentinien in Russland aufeinandertreffen könnten. Günter Klein