Die Rückkehr des Selbstbewusstseins

von Redaktion

In seinem zweiten Jahr in München ist Reggie Redding eine der Konstanten bei Bayerns Basketballern – das will er heute gegen Bonn zeigen

Von Patrick Reichelt

München – Na gut, irgendwie hat sich Reggie Redding schon um den Ball bemüht. Doch viel Sinn hat der US-Profi in Diensten der Basketballer des FC Bayern erkennbar nicht darin gesehen, dass er das Spielgerät im Rahmen des Traumspiels zweier Fanmannschaften im Audi Dome plötzlich mit dem Fuß treten sollte. Meist schaute er den Kollegen grinsend zu.

Aber ok, schon heute darf Redding mit seinen Teamkollegen ja wieder auf bewährte Weise ran. Ab 19 Uhr sind dann die Baskets Bonn im Audi Dome zu Gast. Für beide Teams ist es der erste Auftritt nach der Länderspielpause. Für Tabellenführer FC Bayern der erste seit dem erfolgreichen Gipfel gegen Meister Bamberg. Und nicht zuletzt Reggie Redding ist die knapp zweiwöchige Ruhepause im Nachhinein gar nicht nur Recht.

„Wir waren vorher in einem guten Rhythmus, die Siege haben uns Schwung gegeben“, sagte er, „nun müssen wir sehen, dass wir wieder in tritt kommen.“ Und da hat man nun einen Gegner vor sich, mit dem die Bayern in der Vergangenheit schon des Öfteren ihre liebe Mühe hatten. So wie vor ziemlich genau einem Jahr eben. Am Nikolaustag rutschten die Münchner im Rheinland böse aus. Nette Überraschung für Geschäftsführer Marko Pesic, der an diesem Tag seinen 40. Geburtstag feierte. Für viele war das der Schlüssel dafür, dass es am Ende der Hauptrunde nur zu Platz drei hinter den, mittlerweile schwer geerdeten Ulmer Himmelsstürmern und Bamberg reichte.

Redding interessiert das nur mäßig. Anders als vor Jahresfrist tritt man zuhause an und der Glaube an die eigene Stärke ist bei dem vielseitigen Routinier groß. „Wir müssen unser Spiel spielen, dann sind wir schwer zu schlagen“, sagte der 29-Jährige. Und das ist ein Bewusstsein, dass Redding in dieser Saison auch selbst ausstrahlt. Im Vorjahr hatte er oft gezaudert, wenn es wirklich wichtig wurde.

In dieser Spielzeit ist er nicht nur der Fleißarbeiter. Fast 24 Minuten steht er im Durchschnitt auf dem Feld, kein Bayern-Profi ist bislang so häufig gefragt. Und er ist ein Mann, der in kritischen Momenten zulegen kann. Viele seiner durchschnittlich 10,3 Zähler streut er ein, wenn die Münchner sie am dringendsten brauchen. Mit bislang 4,2 Korbvorlagen steht er derzeit sogar noch besser da als die etatmäßigen Spielmacher Stefan Jovic (4,0), Braydon Hobbs (2,9) oder Anton Gavel (2,0). Genau auf diese Dinge hatten die Verantwortlichen gehofft, als sie den Mann aus Phildadelphia im Vorjahr von seinem mäßig geglückten Engagement bei Darüssafaka Istanbul in die Bundesliga zurückholten.

„Ich habe in Istanbul kein gutes Jahr gehabt“, sagte der Redding, „ich bin dann hier in eine Mannschaft gekommen, in der vieles neu war. In vielen Situationen hat mir das Selbstvertrauen gefehlt.“ Das ist nun anders, Redding ist sichtlich beim FC Bayern angekommen. Wobei er die Entwicklung noch gar nicht am Ende sieht: „Ich denke schon, dass in mir noch einiges mehr steckt, als ich bislang gezeigt habe“, sagte er.

Solange er den Ball halt nicht mit dem Fuß treten muss. Dem kann Redding dann doch eher weniger abgewinnen.

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