Ein Start zum Vergessen

von Redaktion

Deutsche Biathlon-Männer enttäuschen im ersten Einzelrennen des Olympia-Winters – Johannes Thingnes Bö siegt

Von Nicolas Reimer

Östersund – Nach dem missglückten Sart im eisigen Östersund verblüffte Simon Schempp mit einer ziemlich überraschenden Einschätzung. „Ich bin erstmal zufrieden“, sagte der 29-Jährige – mit seinem 16. Platz im Einzel konnte er den schlechtesten Saisonauftakt der deutschen Biathlon-Männer seit zwölf Jahren aber auch nicht verhindern. Doch den ansonsten so ehrgeizigen Massenstart-Weltmeister kümmerte das nur wenig, „für den Anfang“, betonte Schempp, „ist das okay.“

Vielleicht hatte auch die Vergangenheit den DSV-Athleten Bescheidenheit gelehrt. Denn der Klassiker über 20 km, das längste und kräftezehrendste Rennen im Biathlon, ist die deutsche Problemdisziplin schlechthin. Der letzte Sieg eines DSV-Athleten, Michael Greis hatte diesen errungen, liegt nun schon zehn Jahre zurück – in keiner anderen Disziplin ist die Durststrecke derart lang.

Und auch gestern fehlten zum Ende der Sieglos-Serie Welten. Schempp lag bei Temperaturen um die minus fünf Grad Celsius satte 3:28,2 Minuten hinter dem siegreichen Norweger Johannes Thingnes Bö, der mit seinen berüchtigten Harakiri-Einlagen am Schießstand und einer überzeugenden Laufleistung sogar den französischen Dominator Martin Fourcade (+2:14,3 Minuten) klar auf den dritten Platz verwies. Zweiter wurde dessen Landsmann Quentin Fillon Maillet (+2:01,0).

„Ich wollte beim letzten Schießen zu viel. Es war nicht das, was ich erwartet hatte, aber es war ein ganz guter Start“, sagte der erfolgsverwöhnte Fourcade, der in der Loipe die Bestzeit gesetzt hatte. Schempp lief an diesem Tag in einer anderen, schlechteren Liga. Er akzeptierte die Kräfteverhältnisse – und blickte lieber auf die wenigen positiven Aspekte. „Zwei Schießfehler im Einzel sind okay. Läuferisch war ich auch zufrieden, auch wenn es noch etwas Luft nach oben gibt“, sagte der Uhinger, der im Östersund-Einzel bereits zweimal das Podest erklommen, aber auch schon deutlich herbere Enttäuschungen wie den 46. Platz im Vorjahr erlebt hatte.

Zweitbester Deutscher war gestern Erik Lesser auf Rang 17. Der 29-Jährige, Olympia-Zweiter von Sotschi, vergab mit zwei Fehlern beim letzten Schießen eine wesentlich bessere Platzierung. Sprint-Weltmeister Benedikt Doll (Breitnau) nach vier Schießfehlern und Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld/3) blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Auch Johannes Kühn (Reit im Winkl/5) und Philipp Nawrath (Nesselwang/3), die ihren Startplatz über den zweitklassigen IBU-Cup erkämpft hatten, konnten sich nicht nachhaltig empfehlen.

Besser als im Einzel wollen die deutschen Frauen heute im Sprint (17.45 Uhr/live im ZDF und bei Eurosport) abschneiden. In Abwesenheit der siebenmaligen Weltmeisterin Laura Dahlmeier (Erkältung) hatte Franziska Hildebrand als beste Deutsche am Mittwoch den 13. Rang belegt und damit immerhin die halbe Olympia-Norm erfüllt. Eher zu rechnen ist aber mit der ehemaligen Langläuferin Denise Herrmann.

„Ich weiß, dass ich gut in Schuss bin“, sagte die 28-Jährige, die bei ihrem 23. Platz im Einzel die schnellste Laufzeit erreicht hatte. In der Vorwoche hatte die Umsteigerin im zweitklassigen IBU-Cup im Sprint triumphiert.

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