Vor der WM-Auslosung

Oh, wie stark ist Panama!

von Redaktion

Auslosungen sind nicht mehr das, was sie mal waren. Früher erschienen sie transparent und einfach, man konnte sie zuhause mit einfachsten Mitteln aus Mutters Küche durchspielen – wie oft haben wir vor der ersten Heim-WM 1974 gelost! Ebenso bleibt uns das Prozedere in Erinnerung, mit der der Spielplan für die WM 1990 manifestiert wurde. Losfee war nämlich die unvergleichliche Ornella Muti. Mit der Champions League wurden Auslosungen komplizierter, die Anzahl der Töpfe unüberschaubar. Da durfte das eine Team nicht in eine Gruppe mit dem anderen – verstanden hat das nur UEFA-Generalsekretär Infantino, der sich damit fürs Amt als Boss der FIFA bekannt machte.

Was heute in Moskau läuft, mit Töpfen und Positionen, das ist auch nicht so leicht zu durchschauen, es gibt Champions-League-artige Einschränkungen nach Regionalität, aber wir halten es mit der Fußballerweisheit, dass entscheidend ist, was am Ende rauskommt. Sicher ist: Joachim Löw wird auch ohne große Vorbereitung zu jedem, der dann Gegner sein wird, was sagen können. Wir haben ihm einige Bausteine mit auf den Weg gegeben.

Spanien: „Ist für mich immer noch ein Vorbild, ja.“ Verweis auf die Titelfolge 2008-10-12, die Dominanz von Real und Barca im europäischen Klubfußball. Aber: Spanien schreckt uns nicht, „wenn wir Weltmeister werden wollen, müssen wir beim Turnier eh jeden schlagen“. Was natürlich nicht stimmt, da keine 31 Spiele zu bestreiten sind – aber man sagt es halt.

England: „Wir haben dieses Jahr zweimal gespielt, es ist unglaublich schwer, gegen sie Tore zu erzielen.“ Dann Auflistung der jüngsten englischen Nachwuchserfolge, Respektbekundung vor Harry Kane. „Gerade in einem Turnier sind die Engländer immer zu beachten“ (also, 1966 und 1990 war es so).

Die Schweiz als ranglistenstärksten Kontrahenten würde Löw zum neuen Belgien (Geheimfavorit, „ihre Spieler spielen bei den besten Klubs der Welt“) hochjazzen, Island (Topf 3) wäre wegen seiner Fans zu beachten und weil sie dort mehr Fußballhallen haben als Deutschland.

Panama, da würden die Deutschen schmunzeln, ebenso über Saudi-Arabien, 0:8-Opfer von 2002. Jogi aber würde kontern: „Sie haben eine unglaubliche Entwicklung genommen, der Urs Siegenthaler hat sie schon mehrmals beobachtet.“

Auslosungen können uns nicht mehr überraschen. Schade.

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