Die Stunde der Ja-Sager

von Redaktion

Akademie, Grundlagenvertrag: Die großen Anliegen des DFB gehen einstimmig durch

Von Günter Klein

Frankfurt – Und, Herr Präsident, wie war er nun, der Außerordentliche Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes?

„Es war“, sagt Reinhard Grindel. „ein außerordentlich guter Bundestag“. Man müsse nämlich einordnen, wie noch vor Kurzem die Prognosen für die Themen gewesen wären.

Die DFB-Akademie, das 149 Millionen Euro teure Leuchtturmprojekt: „Da findet man in den Archiven, dass es rechtliche Hürden gibt oder es so teuer wird, dass wir die Zustimmung der Basis nicht bekommen werden.“ Jedoch: am Freitag in Frankfurt im „Saal Harmonie“ der Messe: einstimmiges Pro-Votum von 259 Delegierten für die von Oliver Bierhoff, dem Nationalmannschafts-Manager vorangetriebenen Baupläne.

Nächster Punkt: der Grundlagenvertrag, der das Verhältnis zwischen Profi- und Amateurbereich regelt, 2016 beim damaligen Bundestag eigentlich „rechtlich bindend“ (DFB-Vize Dr. Rainer Koch) verabschiedet – jetzt auch bestätigt, mitsamt der Zusatzvereinbarungen. Auch das einstimmig. Nur eine Nachfrage aus dem Plenum, von St-Pauli-Manager Andreas Rettig.

Und schließlich: der knifflige Fall, eine gerechtere Aufstiegsmöglichkeit aus der Regional- in die 3. Liga zu schaffen. Aus sieben Anträgen wurde einer, den die 21 Landesverbände ausgearbeitet hatten (siehe Kasten) – er ging mehrheitlich durch: mit 11 Gegenstimmen und 28 Enthaltungen, die aus dem Profilager kamen. Aber Grindel sieht darin eine klare demokratische Entscheidung: „Was wir die nächsten beiden Jahre haben werden, ist besser als das, was wir ohne diese Konsenslösung gehabt hätten.“ Nach dreieinhalb Stunden rief er dem Auditorium entgegen: „Wir haben ein überragendes und einvernehmliches Ergebnis. Es hat sich gelohnt!“ Diesen Bundestag könne man – ja, durchaus – historisch nennen.

Dass die Akademie abgesegnet werden würde, war keine Frage mehr. Da brauchten die DFB-Oberen nichts zu fürchten. Wohl aber verunsicherte sie eine letzte Initiative des Unterhachingers Engelbert Kupka, der alle Delegierten angeschrieben hatte, sie mögen sich doch noch einmal kritisch mit dem Grundlagenvertrag auseinandersetzen. Die Handhabung gehe mit einem jährlich zweistelligen Millionenbetrag zulasten der vielen kleinen Vereine.

Nach dem Bundestag sagte Grindel: „Kein einziger Delegierter hat sich von Herrn Kupka vereinnahmen lassen. Das wahre Amateurlager hat sich gegen seinen Populismus gestellt.“ Eine saftige Wortwahl – doch wenigstens nannte Grindel den Widersacher beim Namen. Ligen-Präsident Reinhard Rauball meinte Kupka, als er über die „Lautesten und Randalsten“ sprach, „die so tun, als wären sie eine Mehrheit“. Rainer Koch höhnte sehr unfein gegen „selbsternannte Retter des Amateurfußballs“, die eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen würden und nur „haltlose Polemik und unrichtige Sachdarstellung“ böten.

DFB-Schatzmeister Osnabrügge deutete „hochkomplizierte Details“ im Grundlagenvertrag an. Die lange geheim gehaltene Deckelung gegenseitiger Zahlungen erläuterte er: Dem DFB stehen drei Prozent aus den DFL-Erlösen zu, aber maximal 26 Millionen Euro, der DFL aus der Vermarktung der Nationalmannschaft höchstens 20 Millionen. So sei das kaufmännisch vernünftig, erhalte dem Verband die Gemeinnützigkeit. Überlebensnotwendig sei die Marketing-Vereinbarung: Die Profiklubs erlauben ihren Nationalspielern die Teilnahme an Kampagnen der DFB-Partner (etwa Mercedes statt Bayern-Audi).

„Der DFB-Bundestag ist kein Parlament mit Regierung und Opposition“, erläuterte Rainer Koch sein Verständnis von Verbands-Demokratie. Es wirkte: Die Stimmkarten wurden nach oben gestreckt, obwohl draußen auf den Gängen von anderen Meinungsbildungen und Unzufriedenheit die Rede war. Der Bundestag war eben vor allem auch die Stunde der Ja-Sager.

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