Mit 50 noch Power in den Waden

von Redaktion

Torwart-Rentner Starke wechselt bemerkenswert routiniert vom Ruhestand auf den Rasen

Frankfurt – Heutzutage sind Fußballvereine ja gegen alles versichert, doch sogar der FC Bayern kann sich noch verbessern. Frankfurt zum Beispiel ist für Münchner Torhüter ein heikles Pflaster.

Im September 1999 musste der Feldspieler Michael Tarnat zwischen die Pfosten, binnen weniger Minuten hatten die Bayern Oliver Kahn und Vertreter Bernd Dreher verloren. Der „Titan“ erlitt nach einer Kollision mit Sammy Kuffour eine schwere Gehirnerschütterung, Dreher riss sich das Kreuzband. Tarnat streifte sich die Handschuhe über. Die Münchner drehten einen 0:1-Rückstand noch trotz Unterzahl, sie gewannen 2:1.

Ganz so dramatisch lief es an diesem Samstag nicht, die Personalrochaden zwischen den Pfosten haben aber trotzdem unübliche Dimensionen angenommen. Manuel Neuer benötigt seit September Krücken, das Top-Talent Christian Früchtl ist verletzt, so wurde Tom Starke, der sich am 1. Juli in den Ruhestand verabschiedet hatte, reaktiviert. In Frankfurt, dem Pflaster für Münchner Torwart-Pointen, schlug nun seine Stunde.

Ein einziger Blickwechsel beim Aufwärmen hatte genügt, da wusste der 36-Jährige: Jetzt muss er ran. Sven Ulreichs Adduktoren streikten. Zu Beginn brachte Starke Arturo Vidal mit einem Anspiel in Verlegenheit, doch danach meisterte er den Wechsel vom Ruhestand auf den Rasen mit bemerkenswerter Routine. Es gab viel Lob, vermischt mit Flachs, was zu diesem ungewöhnlichen Comeback passte. „Er ist 50 Jahre alt, aber er trainiert wie ein 28-Jähriger“, sagte Javi Martinez.

Er nehme das als Kompliment, sagte Starke mit einem Schmunzeln, „anscheinend hat Javi selbst noch nicht in den Spiegel geschaut“. Eigentlich sei das mit dem aktiven Fußball „gegessen gewesen, aber ich habe der Führung gesagt, wenn ich gebraucht werde, halte ich mich in Form“. Nach Neuers Verletzung kam man gern darauf zurück. Starkes Alltag sieht seit Wochen so aus, dass seine Priorität auf dem Training mit den Profis liegt und er am Nachmittag seinen Aufgaben als Torwart-Koordinator auf dem Campus nachkommt. Er hat dann meist erst ab 20 Uhr Dienstschluss, aber ein ausgefüllter Tag hält ja bekanntlich jung. „Mir fällt das leicht, weil es mir Spaß macht“, sagte er.

Womöglich ist er am Mittwoch gegen Köln nochmals gefragt, bei Ulreich herrscht noch Unklarheit. Seine Kollegen vertrauen ihm voll. Erst am Freitag habe er im Training „unmenschliche Fähigkeiten aufblitzen lassen“, erzählte Thomas Müller, „er hat die Erfahrung und sogar noch Power in den Waden“. Obwohl er ihnen wie ein 50-Jähriger vorkommt. Die Gefahr, dass wieder mal ein Feldspieler ins Tor muss, ist bei diesen Reserven nicht so groß.  awe

Artikel 1 von 11