Erika Stöger hatte sich das alles anders vorgestellt. Endlich war der Sohnemann mal zu Hause in Wien, mit ihr zusammen am Esstisch, wie gemütlich. Und es gab auch so viel zu besprechen. Bekanntlich hatte Filius Peter ja in den letzten Monaten an seinem (Ex-)Arbeitsplatz in Köln eine schwere Zeit durchgemacht, zudem stand die Essensplanung für die Festtage an. Nur dieses blöde Telefon nervte. Keine 30 Minuten waren um, da klingelte es. Watzke am Apparat. Vorbei mit der Idylle.
Die lustige Randnotiz war an diesem kuriosen Vorgang – Stöger folgt auf Peter Bosz beim BVB – der letzte Beweis dafür, wie schnell in dieser Branche alles gehen kann. Keine Woche nach dem Aus in der Domstadt wird Stöger zum Hoffnungsträger im gerade mal 100 Kilometer entfernten, sportlich aber meilenweit höher anzuordnenden Dortmund. Dass der einstige Kölner Erfolgscoach seinen neuen Boss am Telefon noch daran erinnerte, dass er der Trainer sei, „der erst drei Punkte geholt hat“, klingt zunächst mal herrlich sympathisch. Es spricht aber auch für das kleine Risiko, das man mit der – unter Zeitdruck umgesetzten – Zwecklösung eingeht.
Stögers Vertrag läuft bis Juni 2018, er trat seinen Job gestern also zunächst mal mit dem Stempel „Übergangslösung“ an. Scheitert er, werden im Sommer alle sagen: Mehr ist er nie gewesen. Bringt der Österreicher den BVB aber in die Erfolgsspur, die Bosz schon vor Wochen verlassen hat, droht in rund einem halben Jahr ein Dilemma. Den Dortmundern geht es da jetzt nicht anders als dem FC Bayern im Herbst: Wunschlösungen – Thomas Tuchel im Süden, Julian Nagelsmann im Westen – sind auf die Schnelle kaum umzusetzen. Der Feuerwehrmann muss deshalb damit leben, dass im Hintergrund stets ein bisschen Unruhe mitschwingt. Und die wöchentliche Frage „Bleiben Sie vielleicht doch länger?“ nicht ausbleibt.
Jupp Heynckes sieht seinen Job als Freundschaftsdienst, während Stöger eine bessere unverhoffte Chance gar nicht hätte kriegen können. Er hat sich quasi nach oben verloren, ist „lucky loser“. Und die Frau Mama wird verschmerzen, dass es erst an Weihnachten zum Wiedersehen kommt. Traditionell bringt Stöger übrigens kleine Souvenirs aus seiner zweiten Heimat mit zum Fest. Immerhin da muss man sagen: Köln hatte mehr zu bieten als Dortmund.