München – Im Schlussviertel war für die Basketballer des FC Bayern die Zeit der Entspannung gekommen. Die Münchner ließen locker den Ball und ihren Gegner laufen. Am Ende stand ein müheloser 91:71 (54:38)-Erfolg über die Riesen Ludwigsburg. In einem Duell der beiden derzeit „heißesten“ Teams der Bundesliga. Das Aufschlüsse bringen sollte, wie es um die Kräfteverhältnisse an der Ligaspitze im Moment wirklich bestellt ist.
Letztlich wollte sich auch Ludwigsburgs Coach John Patrick nur vor dem Bezwinger verneigen: „Es ist für meine Spieler eine besondere Erfahrung, gegen solche Spieler und so einen Trainer zu spielen.“ Was schon bemerkenswert nach Kapitulation klingt aus dem Lager des Tabellendritten, der bis dahin in dieser Saison wie die Münchner nur einen Saisonsieg hatte liegen lassen.
Nun ja, ganz so muss man es sicherlich noch nicht sehen, doch klar ist mittlerweile, dass die Bayern der Konkurrenz in dieser Hinrunde schon ein Stückchen enteilt sind. Im Eurocup könnte man nach sieben Siegen bereits am Mittwoch (20.30 Uhr) gegen Jerusalem den vorzeitigen Gruppensieg klar machen. Und in der Bundesliga hatten sechs der derzeit sieben schärfsten Verfolger im direkten Aufeinandertreffen nicht viel zu bestellen. Einzig das Duell in Bayreuth steht noch aus – in Oberfranken müssen die Bayern zwei Tage vor Heiligabend ran.
Gegen Ludwigsburg war es für die Münchner im ausverkauften Audi Dome zunächst gar nicht so günstig gelaufen. Fünf Minuten lang hatte vor allem der Bayern-Defensive der Zugriff auf die Partie gefehlt. 12:2 und 19:10 lagen die Schwaben schnell in Führung. Zu allem Überfluss musste auch noch Spielmacher Stefan Jovic mit leichter Fuß-Blessur vom Feld.
Doch es reichten eine etwas lautstärkere Auszeit und zwei Wechsel – Danilo Barthel kam für Milan Macvan, Anton Gavel für den angeschlagenen Jovic – und im Eiltempo rückten die Bayern die Verhältnisse gerade. Barthel und Kollegen machten die eigene Zone dicht, drückten vorne aufs Tempo, und die kampfstarken Ludwigsburger um den wuseligen Spielmacher Kerron Johnson (14 Punkte) hatten nicht die Mittel, um Schritt zu halten. Schon nach gut 13 Minuten waren aus zehn Punkten Rückstand zehn Punkte Vorsprung geworden.
Eine Wendung, die auch Bayerns Alex King von seinem strapazierten Team nicht unbedingt erwartet hätte. „Wir haben es nach der anstrengenden Eurocup-Reise unter der Woche ganz gut geschafft, die Energie zurückzuholen“, sagte er.
Da fiel es noch nicht einmal ins Gewicht, dass auch Jared Cunningham nach einem Schlag aufs Bein vorzeitig vom Feld ging. Es ist der große Vorzug des breiten Münchner Kaders: Trainer Sasa Djordjevic kann ohne Qualitätsverlust rotieren. Auch in diesem Gipfeltreffen verteilte sich die Punktausbeute auf entsprechend viele Schultern. Gleich fünf Münchner sammelten zweistellig Punkte, am besten einmal mehr der brachiale US-Center Devin Booker, der es auf 17 Zähler brachte.
Djordjevic allerdings wollte aus der zunehmend komfortableren Situation an der Tabellenspitze keine falschen Schlüsse ziehen. „Wir denken weiter nur ans nächste Spiel“, sagte er, „damit sind wir gut gefahren.“