Mit Handkuss von der Losfee

von Redaktion

Bayern entgeht haarscharf Barcelona und dankt Xabi Alonso für den Achtelfinal-Gegner Istanbul

von hanna raif

München – Die durchaus kuriosen Geschichten hinter dieser Auslosung hatten den Weg auf den Trainingsplatz an der Säbener Straße nicht gefunden. Weder die über Losfee Xabi Alonso noch jene über die Dramatik der letzten Minuten des aufgeblasenen Festakts in Nyon. „Hat Xabi gezogen?“ fragte Joshua Kimmich, als er als erster Bayern-Profi gestern das Podium betrat und um ein Statement zum Achtelfinal-Los in der Champions League gebeten wurde. Er wurde schnell aufgeklärt: Ja, der FC Bayern kann sich bei seinem Ex-Spieler für dessen glückliches Händchen bedanken – und dafür, dass es gegen Besiktas Istanbul und nicht gegen den FC Barcelona geht.

Als die Spieler nämlich noch auf dem Rasen waren, hatte sich in der UEFA-Zentrale tatsächlich so etwas wie Spannung entwickelt. Paarung für Paarung wurde gezogen, darunter der Kracher Real Madrid gegen Paris St. Germain. Nur die Kugel mit dem FC Bayern kam und kam nicht, während vermeintlich leichte Gruppenerste wie der AS Rom und Tottenham Hotspur schon lange vergeben waren. Am Ende war es eine klassische 50:50-Chance zwischen Besiktas und Barcelona, das nun gegen Chelsea spielt.

Die Diskussion über die Bedeutung von Gruppenplatz eins hat den deutschen Rekordmeister ja in den vergangenen Monaten ungefähr genauso stetig begleitet wie Fragen nach der Zukunft von Jupp Heynckes. Sie war omnipräsent, seitdem das Hinspiel in Paris krachend mit 0:3 verloren gegangen war. Während aber PSG nun auf Real trifft, haben es die Bayern mit dem türkischen Meister deutlich besser erwischt. „Es war ja dann doch nicht so schlecht, dass wir nur Zweiter geworden sind“, sagte Niklas Süle süffisant. Man sah dem Verteidiger die Genugtuung bei seiner Aussage an. Fußball ist halt nicht immer Mathematik. Seit gestern ist man froh, dass das Rückspiel „nur“ 3:1 und nicht 5:1 ausgegangen ist.

Der Sieg gegen Paris – der laut Vereinsboss Karl-Heinz Rummenigge die Botschaft „mit uns ist zu rechnen“ aussendete – ereignete sich in der vergangenen Woche einen Tag vor dem Istanbuler Gastspiel in Leipzig. Die Partie ging 1:2 aus, die Türken feierten damit den dritten Auswärtssieg in der Gruppenphase – und Heynckes hat besonders gut hingeschaut. Der Bayern-Trainer sagte gestern: „Ich kenne Besiktas sehr gut, ich habe sie zuletzt noch gegen Leipzig spielen sehen.“ Der 72-Jährige wies vorsichtshalber darauf hin, dass das Team von Trainer Senol Günes „noch ungeschlagen“ und nicht zu unterschätzen sei: „Wir müssen in beiden Spielen eine echte Topleistung bringen.“

Tiefstapeln gehört zu Auslosungen genauso dazu wie hochdramatische Videos, unendlich lang gezogene Interviews und Kugeln-Andrehen in Dauerschleife. Erfrischend kam deshalb Thomas Müller daher, der treffend feststellte, dass sich „die Aussagen nach solchen Ereignissen eigentlich immer decken“. Die Klassiker zum Achtelfinale: „In Istanbul herrscht eine Riesenstimmung“ (Leipzig-Versteher Kimmich), „im Rückspiel müssen die Warnglocken angehen“ (Müller), „es wird eine schwere Aufgabe, aber es hätte schlimmer kommen können“ (Süle). Außerdem müsse man natürlich zuhause am 20. Februar „vorlegen“, denn am 14. März wartet ein schweres Auswärtsspiel. Immerhin „vom Papier her“ sei man Favorit.

Im Vorjahr ging es im Achtelfinale gegen Arsenal, zwei Mal gewannen die Bayern mit 5:1. Das hatte ungefähr genauso viel Eindruck hinterlassen wie die Bilanz der Bundesligisten, von denen mit Leverkusen und dem BVB gleich drei in der K.o.-Runde standen. Heuer ist der FC Bayern Einzelkämpfer. Erstmals seit 2008/2009 ist die Bundesliga nur noch mit einem Klub vertreten. Rummenigge spricht von einem „Katastrophenjahr“.

Müller nimmt die unschöne Situation als Ansporn. „Wir wollen so weit kommen wie möglich, dann wird das deutsche Ergebnis ein wenig beschönigt.“ Trotzdem sei die Rettung des Bundesliga-Stolzes nun „nicht die Hauptaufgabe des FC Bayern“. Sie ist ein netter Nebeneffekt – ungefähr so wie die Losfee-Tätigkeit von Xabi Alonso.

Der übrigens sollte nicht auf Dankes-SMS seiner alten Kollegen warten. Müller sagte: „Lieber soll er sich mal wieder blicken lassen.“ Zuletzt hat er das vor elf Wochen in Paris getan. Damals hat er kein Glück gebracht.

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