Gelsenkirchen – Manuel Baum sah sich bestätigt, wenn auch unfreiwillig. Allen Europacup-Träumereien zum Trotz wurde der Coach des FC Augsburg in den vergangenen Wochen nicht müde, den jüngsten Höhenflug seines Teams einzuordnen. „Nach ganz oben geht uns schon noch ein bisschen was ab, definitiv“, sagte Baum etwa vor dem Gastspiel beim FC Schalke 04. Beim 2:3 (0:1) zeigten die Schwaben dann zum zweiten Mal in vier Tagen, was ihnen unter anderem für bessere Platzierungen in der Tabelle fehlt: Nämlich die Cleverness, ein Ergebnis über die Zeit zu bringen.
„Es wäre überhaupt nicht gut, wenn wir das Thema Spitzenmannschaft in den Mund nehmen“, meinte Trainer Baum deshalb nach der Niederlage am späten Mittwochabend. Sein Ziel bleibe der Klassenverbleib. Dabei waren die Gäste nach einer beachtlichen Aufholjagd drauf und dran, nach Leipzig, Mönchengladbach, Hoffenheim und Leverkusen dem nächsten Favoriten Punkte abzunehmen. Nach einem 0:2 durch Franco di Santo (44. Minute) und Guido Burgstaller (47.) sorgten Caiuby (64.) und Michael Gregoritsch (79./Foulelfmeter) für den Ausgleich. Dann aber gelang Daniel Caligiuri (83./Foulelfmeter) doch noch der Siegtreffer für die Hausherren. „Aufgrund der zweiten Hälfte hätten wir ein Unentschieden verdient“, sagte Gregoritsch, der schon bei acht Saisontoren steht.
Zum Punktgewinn kam es aber nicht – und das nur vier Tage nach dem erst in der Nachspielzeit verschenkten Heimsieg gegen Hertha BSC (1:1). „Es ist schon ärgerlich, wenn man wieder in den letzten Minuten einen Treffer kassiert“, haderte Torwart Marwin Hitz, der vor dem 2:3 Amine Harit im Strafraum foulte. „Für mich war das kein Elfmeter. Ich mache mich ganz klein und er lässt den Fuß stehen.“
Am Ende jubelte Schalke über den Sprung auf Tabellenplatz zwei, weil Augsburg zu gierig war. „Wir müssen in bestimmten Situationen viel cleverer werden“, mahnte Baum. „Ich hatte das Gefühl, dass die Jungs noch gewinnen wollten. Das rechne ich ihnen zwar hoch an, aber wir müssen ein gesundes Verhältnis hinkriegen, dass wir nicht auf Teufel komm raus spielen.“ Ohne die Punktverluste gegen Hertha und Schalke wäre der FCA vor dem 17. Spieltag Tabellensechster statt -neunter.
Abhaken und weitermachen, das ist die Devise. „Diese Niederlage wird uns nicht zurückwerfen“, sagte Baum. Nun soll ein positiver Jahresabschluss in der oberen Tabellenhälfte her – das wäre der Lohn einer aufregenden Hinserie mit vielen Überraschungserfolgen. Vor dem Heimspiel gegen den SC Freiburg sagt Gregoritsch: „Wir wollen weiter marschieren.“
Trainer Baum erzählte: „Jetzt wäre es unser Wunsch, dass wir uns noch drei Punkte unter den Weihnachtsbaum legen.“ Dabei hatte er sich und den Verein in den vergangenen zwölf Monaten bereits mit tollen Momenten beschenkt, etwa dem Klassenerhalt und einer unerwartet starken Halbserie im Herbst.