Kaltstart zum Abschluss

von Redaktion

Mal wieder gibt Starke ein Abschiedsspiel – obwohl er scherzt: „Heynckes hat eine schwere Entscheidung vor der Brust“

München – Wenn am Jahresende im Hause Starke Bilanz gezogen wird, dürfte der 20. Mai eine Rolle spielen. Denn an diesem Tag wurde dem ursprünglich in den Ruhestand verabschiedeten Torhüter so viel Ruhm und Ehre zuteil wie nur an wenigen anderen Tagen seiner aktiven Karriere. Man sollte das Ganze nicht falsch verstehen, denn wer – wenn auch meist als Ersatzmann – fünf Mal Deutscher Meister und drei Mal DFB-Pokalsieger wurde sowie die Champions League und den Weltpokal gewonnen hat, ist ein Großer seiner Zunft. Und trotzdem war es an diesem Tag der Meisterfeierlichkeiten ein willkommener Zufall, dass Tom Starke stets in einem Atemzug mit Philipp Lahm und Xabi Alonso genannt wurde.

Die Vorstellung, dass aufgrund von Personalnot einer der beiden Feldspieler wieder aus der Rente zurück zum FC Bayern kehren würden, ist ebenso lustig wie utopisch. Aber bei Starke hat es sich eben so ergeben, dass er vom Schreibtisch nochmal auf den Rasen wechselte. Das 1:0 gegen Köln war nun die zweite Partie, die aus der kuriosen Gegebenheit, dass der 36-Jährige wieder im Profi-Kader steht, die noch kuriosere machte, dass er wieder zwischen den Pfosten agierte. Lange war Starke genauso eingefroren wie die 75 000 Zuschauer auf der Tribüne. Als er dann plötzlich in der 87. Minute gegen den FC-Aushilfsstürmer Lukas Klünter gefordert war, „war das gar nicht so leicht. Es war kalt.“

Aber: Es gehört zur Aufgabe eines Bayern-Keepers, auch nach stundenlanger Unterbeschäftigung im Ernstfall zur Stelle zu sein. Und so hielt Starke so souverän, dass er selbst kurz perplex war. Vom „sechsten Frühling mitten im Winter“ sprach Thomas Müller und fügte mit ironischem Unterton hinzu: „Aber das erwarten wir auch von ihm. Da ist er schon ein Experte auf seinem Gebiet.“ Dass es am Ende kein Remis wurde, war vor allem Starkes Verdienst.

Realistisch gesehen galt die Partie am Mittwoch mal wieder als Abschiedsspiel. Auch wenn Starke beteuert, dass „Jupp Heynckes jetzt eine schwere Entscheidung vor der Brust hat“ (Scherz!), dürfte der genesene Sven Ulreich ab jetzt wieder auflaufen. Mindestens bis zur Winterpause, wohl sogar bis zur Genesung von Manuel Neuer soll Starke sich bereithalten. Auch die Reise ins Trainingslager nach Katar dürfte er antreten. Er selbst findet seinen Alltag – „von 9 Uhr bis 21 Uhr, morgens Training, nachmittags Campus“ – kurios, vor allem „weil der Abgesang ja schon da war“.

Damals, am 20. Mai. Aber wer weiß? Wenn es so weitergeht, wird er am 12. Mai 2018 wieder verabschiedet. Ohne Lahm und Alonso – vielleicht sogar als Hauptperson.  hlr

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