Die Ausflüchte der Dopingsünder

Scheinheilig und skurril

von Redaktion

Ja: Doping ist die Geisel des modernen Sports. Und ja: Man wird den leistungssteigernden Betrug nie mehr ganz ausrotten können. Aber: Wie auch die jüngsten Vorfälle zeigen, wird der Sport daran scheitern, den Missbrauch relevant einzuschränken.

Beispiel eins: Radheros Christopher Froome ist eindeutig beim Betrügen ertappt worden. Und wie reagiert der Brite? Mit dümmlichen Ausreden. Als Asthmakranker – wieviele gibt es eigentlich im Leistungssport? – sei er auf das Medikament Salbutamol angewiesen. Dass er den Grenzwert überschritten habe, liege daran, dass sein Asthma immer schlimmer geworden sei und er die Dosis habe erhöhen müssen. Auf Anraten der Ärzte – selbstverständlich.

Dann schiebt Froome einen Zusatz nach, der an Unverfrorenheit nicht zu überbieten ist. „Meine Hoffnung ist,“ sagt er scheinheilig, „dass diese“ – Achtung, aufgepasst! – „Missverständnisse nicht dazu führen, dass Asthmatiker ihre Inhalatoren in Notsituationen nicht mehr benutzen. Nur aus Angst, dafür verurteilt zu werden.“

Allein dafür müsste man ihn lebenslang sperren. Doch alle in Froomes Umfeld arbeiten daran, den Schaden möglichst gering zu halten. Dabei hat er den Geist Armstrongs aus der Flasche entweichen lassen, das mühsam aufgepäppelte Image seiner schwer dopingbelasteten Sportart erneut zertrümmert.

Beispiel zwei: Hatte man gedacht, die Russen, allen voran ihr Präsident Putin, hätten die Zeichen ihrer Teilsperre für Olympia durch das IOC richtig gedeutet, sieht man sich inzwischen eines Besseren belehrt. Der Staat werde die ertappten Athleten dabei unterstützen, Zivilgerichte anzurufen. Um „ihre Ehre und Würde zu verteidigen“ (Originalton Putin). Am Ende wird die Sache noch skurriler, als Putin mutmaßt, der übergelaufene Kronzeuge Rodschenkow sei vom FBI „behandelt“ worden, damit er die „richtigen“ Aussagen gegen die Russen macht. Womöglich als Retourkutsche des demokratischen Amerika für die Manipulation der US-Wahl durch die Russen?

Das Schlimme an den beiden Fällen: In Russland glaubt man den verworrenen Verschwörungstheorien, und nicht wenige Radsport-Funktionäre sind vermutlich felsenfest davon überzeugt, dass man Froome als Galionsfigur retten müsse.

Bleibt die Frage: Wie lange werden Sport-Konsumenten derlei Widersinn noch akzeptieren, ehe sie sich frustriert abwenden? Nach aller Erfahrung liegt die Schmerzgrenze sehr hoch.

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