BASKETBALL

Der Mann für die großen Momente

von Redaktion

Braydon Hobbs ist eine der Schlüsselfiguren des FC Bayern – mit dem Klub will er seinen ersten großen Titel gewinnen

VON Patrick Reichelt

München – Als die letzte Sirene im alten Basketball-Jahr im Audi Dome verklungen war, nahmen die Profis des FC Bayern noch einmal Aufstellung auf dem Spielfeld. Mit einem Transparent bedankten sie sich bei der Fangemeinde für die Unterstützung. Und Kapitän Anton Gavel stellte dem Anhang das ein oder andere nachträgliche Weihnachtsgeschenk in Aussicht: „Wir werden alles dafür tun, im nächsten Jahr einen Titel zu holen.“

Selten zuvor schienen die Aussichten besser, dass die Bayern den Ankündigungen auch Taten folgen lassen können. In der Bundesliga tritt man morgen Abend (20.30 Uhr) als überlegener Spitzenreiter bei Verfolger Bayreuth an. Im Eurocup sind die Bayern nach dem 85:82 gegen Buducnost Podgorica neben Kuban Krasnodar das einzige ungeschlagene Team. Das könnte auch so bleiben, wenn es nach Podgoricas Coach Aleksandar Dzikic geht. „Diese Mannschaft wurde zusammengestellt, um den Eurocup zu gewinnen“, sagte er, „sie sind eines von drei Teams, die das auch schaffen können.“

Dass das so ist, hat natürlich mit vielen Faktoren zu tun. Ein besonders gewichtiger ist Regisseur Braydon Hobbs. Der frühere Ulmer ist so etwas wie der Schlüsselspieler der langsam zu Ende gehenden Vorrunde. Hobbs bringt die Ideen und Überraschungsmomente, die dem Bayern-Team im Vorjahr noch fehlten. „Seine Übersicht und sein Spielverständnis sind enorm“, sagte auch sein Trainer Sasa Djordjevic, „er ist extrem wichtig.“

Hobbs kompensiert dabei auch, dass sein kongenialer Partner Stefan Jovic verletzungsbedingt bislang nur teilweise mitmachen konnte. „Wir sind alle ein bisschen platt momentan“, sagte er, „aber auch das gehört bei einem Profi dazu .“ Er ist immer noch in der Lage, seine besten Aktionen dann abzurufen, wenn die Bayern sie am dringendsten brauchen. 7,6 Punkte und knapp drei Assists hat er sich in dieser BBL-Saison bislang durchschnittlich gutschreiben lassen. Das klingt nicht unbedingt spektakulär, aber seine Beiträge zum Bayernspiel sind nicht selten die Wichtigsten eines Spiels. Ein Mann für die großen Momente also? „Ich hoffe es“, sagte Djordjevic.

Im Vorjahr war Hobbs Taktgeber bei Hauptrundenchampion Ulm, nun tut er Gleiches bei den dominanten Bayern. Kaum zu glauben eigentlich, dass der 28-Jährige weite Teile seiner Karriere bislang in der Bedeutungslosigkeit verbrachte. Australische Provinzligen, die spanische oder deutsche zweite Liga oder Ungarn waren lange die sportliche Heimat des Mannes aus Indiana. Man könnte es durchaus so sehen, dass dieser Braydon Alexander Hobbs in seiner Laufbahn doch so manches liegen gelassen hat.

Er selbst will davon nichts wissen. Der Bayern-Regisseur ist keiner jener Profis, die auf der Suche nach dem besten Gehaltsscheck durch Europa tingeln. „Meine Frau und ich wollten die Welt sehen“, sagte Hobbs, „ich liebe es, wie meine Karriere gelaufen ist. Ich würde jederzeit alles wieder so machen.“

Ein größerer Titel blieb dem Mann, der nach dem Ende seiner sportlichen Laufbahn am liebsten beim Auslandsgeheimdienst CIA oder der amerikanischen Anti-Drogen-Behörde DEA anheuern würde, so bislang versagt. Aber das könnte sich ja noch ändern. Vielleicht sogar schon bald. Bislang sind Hobbs und seine Bayern bekanntlich in allen Wettbewerben noch bestens im Rennen.

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