München – Es hat schon Spiele zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund gegeben, an die man sich noch viele Jahre später erinnert. Die gestrige Partie fällt nicht in diese Kategorie, dafür war sie lange zu einseitig. Die Bayern in der Einzelkritik.
Sven Ulreich: Ist in den vergangenen Wochen vom Neuer-Vertreter gereift zu einem Schlussmann mit beinahe Neuer-haftem Nimbus. Den brauchte er gestern aber anfangs gar nicht. Seinen ersten Ballkontakt hatte er in der 27. Minute, und der war so unspektakulär wie die gesamten Dortmunder Angriffsbemühungen. Leitete später eine BVB-Großchance mit einem verunglückten Befreiungsschlag ein. Da erinnerte er eher an den Ulreich aus späten Stuttgarter Zeiten. Note: 3
Joshua Kimmich: Hielt die rechte Abwehrseite anfangs frei von Schaden, doch offensiv fehlten diesmal die Impulse. Später zeigte er auch defensiv ungewohnte Schwächen, besonders fatal vor dem Anschlusstreffer. Note: 4
Jerome Boateng: Schaute sich zwölf Minuten an, wie seine Kollegen beste Chancen erspielten und vergaben, dann hatte er genug gesehen. Sein Kopfball zum 1:0 war so präzise wie seelenruhig, und das galt – abgesehen von der hektischen Schlussphase – für fast das gesamte Spiel. Ließ sich in der Organisation der Abwehr nicht aus der Ruhe bringen und hatte genug Muße, um sich mehrfach gefährlich in die Offensive einzubringen. Note: 2
Niklas Süle: Hätte in erster Linie Tore verhindern sollen, aber weil es lange Zeit nichts zu verhindern gab, stellte er seine Brecherqualitäten eben in den Dienst der Offensive. Boatengs Führungstreffer ging ein Kopfballversuch Süles voraus. Später war er nur noch als Torverhinderer gefordert und hielt sich schadlos. Note: 2
David Alaba: Büßte in dieser Woche seinen unantastbaren Status als Österreichs Fußballer des Jahres ein. Der gestrige Auftritt erinnerte zunächst an bessere Zeiten. Hatte im Zusammenspiel mit Ribery einige auffällige Szenen am gegnerischen Strafraum, vor allem aber auf der eigenen Torlinie, als er Yarmolenkos Schuss entschärfte. Dieser Chance war allerdings ein Schnitzer des Linksverteidigers vorausgegangen. Konnte Yarmolenko nicht am 2:1 hindern. Note: 3
Javi Martinez: Verrichtete seine Arbeit im defensiven Mittelfeld zunächst unauffällig, aber effizient. Später war der Baske präsenter und erstickte mit giftigem Zweikampfverhalten die aufkommende Gegenwehr der Westfalen. Wurde spät durch Rudy ersetzt, der weniger giftig war, dafür frischer. Note: 2
Arturo Vidal: Hatte mit einem krachenden Lattenkopfball einen fulminanten Start ins Spiel, ließ ihm dann aber nicht mehr allzu viel folgen. Dem Chilenen, der besonders von seiner Physis lebt, war die lange Hinrunde am Ende deutlich anzumerken. Note: 4
Thomas Müller: Kommandierte seine Mitspieler schon in der Anfangsphase vehement nach vorne, um den verunsicherten Gegner möglichst früh zu stören. Leitete Vidals erste Großchance ein und stellte später mit dem 2:0 die Weichen zum Sieg, als sich die Dortmunder zu regen begannen. Sorgte auch nach der Pause für ständige Unruhe und war seinem zweiten Tor nahe. Note: 1
James: Bestätigte seine starke Form der letzten Wochen, zog klug die Fäden und riss mit seinen Pässen immer wieder Löcher in die Dortmunder Defensive. Hatte kurz nach der Pause das 3:0 auf dem Fuß, scheiterte aber wie so viele an Bürki. Ein Tor hätte die Leistung des Kolumbianers veredelt. Note: 2
Franck Ribery: Ist nicht mehr der Allerjüngste, aber immer noch agil genug, um auch namhaften Gegnern einen Heidenrespekt einzuflößen. Einmal rannte Bartra geradezu vor Ribery davon, statt ihm den Ball abzujagen. Der Franzose nutzte seine Freiheiten dankbar und stiftete jede Menge Unruhe, Verwirrung und manchmal auch nackte Panik. Nach einer Stunde ging er unter tosendem Beifall vom Feld. Note: 2
Robert Lewandowski: Hätte es anfangs schwer haben müssen gegen einen ultradefensiven BVB mit allein drei Innenverteidigern. Tatsächlich aber war die Gegenwehr lange Zeit nur theoretischer Natur. Dem Polen boten sich erstaunlich viele Freiräume, dabei sollten seine Qualitäten doch gerade seinem Ex-Klub noch bekannt sein. Wurde in der Vorbereitung des 2:0 von Toprak kaum behelligt. Aber der ist auch neu in Dortmund. Note: 2
Kingsley Coman: Kam nach einer Stunde für Ribery, konnte seinen Landsmann allerdings nicht vollwertig ersetzen. Note: 4
Corentin Tolisso, Sebastian Rudy: Kamen spät und halfen mit, den Sieg zu sichern. ohne Bewertung