Frohes Fest

von Redaktion

Der FC Bayern beschenkt sich mit Pokal-Viertelfinale – am Ende schleppt er sich in die Winterpause

VON ANDREAS WERNER

München – Am Ende zuckten die Laser zu einer Einstimmung auf Weihnachten durch die Arena; beim FC Bayern hieß es bereits ein paar Tage vor dem Heiligen Abend gestern: Frohes Fest. Mit dem 2:1 (2:0) im DFB-Pokal-Achtelfinale über Borussia Dortmund beschenkten sich die Münchner vorzeitig selbst, im neuen Jahr sind sie in allen drei Wettbewerben vertreten. Da kann Weihnachten kommen.

Sie schleppten sich gegen Ende der Hinrunde sichtlich in die Winterpause, obwohl der Sieg gegen den BVB verdient war aufgrund der insgesamt besseren Darbietung. In der Chancen-Aufzählung lagen die Münchner ebenfalls vorne. Gegen Ende der Partie jedoch war die Luft raus. Die Winterpause tut nun gut.

Zu Beginn der Partie konnten sich die Profis des FC Bayern wie Kinder fühlen, denen erlaubt wurde, sämtliche Türchen ihres Adventskalenders auf einmal aufreißen zu dürfen. Die Dortmunder fanden in den ersten 15 Minuten nicht statt, machtlos standen sie den meist von Franck Ribery angeführten Überfällen der Platzherren gegenüber, es hätte bereits nach einer Viertelstunde 3:0 stehen können, mindestens sogar.

In der Anfangsphase kam man mit dem Notieren bayerischer Großchancen jedenfalls kaum nach, es grenzte an ein vorweihnachtliches Wunder, dass lediglich ein Tor heraussprang. Jerome Boateng hatte die Führung per Kopf erzielt, und dieses Tor vereinte alle Dortmunder Defizite. Erst durfte Niklas Süle nach einem Freistoß von James alleinstehend an die Latte köpfen, dann hinderte Boateng keiner am Nachversuch. Die Passivität des BVB hielt danach noch eine Weile an, erst ab Mitte der ersten Halbzeit besannen sich die Gäste auf den Ruf, irgendwie doch als zweitbestes Team der Republik zu firmieren. Peter Stöger wechselte mutig in Mahmoud Dahoud für den Innenverteidiger Marc Bartra ein, was bei einem Konter fast belohnt wäre, doch David Alaba klärte auf der Linie, und dann sorgte Thomas Müller just in der Phase, als es etwas ausgeglichener wurde, für einen Akt der Entfesselung.

Der Kapitän schaufelte den Ball nach einem Doppelpass mit dem stets mitspielenden Robert Lewandowski so lässig über Roman Bürki ins Tor der Dortmunder, als sei er gerade mal kurz vom nächstbesten Christkindlmarkt herübergeschlendert (40.). Zur Pause spielte die Blasmusikkapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn eine flotte Version des „Stern des Südens“, es war bis dahin ein Abend ganz im Bayern-Sinn. Dem BVB war sichtlich anzumerken, dass Pierre-Emerick Aubameyang fehlte. Der Star musste wegen einer Hüftverletzung im letzten Spiel vor der Winterpause passen.

Auch die zweite Hälfte begann mit zur Adventszeit unüblichen Überfällen vonseiten des FC Bayern. James verpasste kurz nach Wiederanpfiff das 3:0, und Bürki entschärfte eine Direktabnahme von Müller mit einer Blitzreaktion. Im Verlauf tobte Jupp Heynckes immer wieder vor seiner Trainerbank herum – dem Coach wurde alles etwas zu nachlässig, er wollte früher klare Verhältnisse haben. Im Stadion aber war die Stimmung weniger kritisch. Als Ribery nach 60 Minuten für Kingsley Coman ging, applaudierte das Volk seinem Liebling mit viel, viel Hingabe.

Während die Fans auf den Rängen Weihnachten entgegensangen, schalteten unten auf dem Rasen ihre Stars allmählich auf Verwaltungsmodus – und nahmen dabei in Kauf, dass das Energiesparen den Gästen mehr Spielanteile bescherte. Andrej Yarmolenko bestrafte das – unter Mithilfe von Sven Ulreich – mit dem Anschlusstreffer nach 76 Minuten, offensichtlich hatte Heynckes zurecht gezetert. Es blieb beim knappen 2:1, obwohl der eingewechselte Alexander Isak die Verlängerung in der Nachspielzeit auf dem Fuß hatte. Glück für die Bayern.

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