Probleme des Spitzensports

Schwindende Akzeptanz

von Redaktion

Menschen, die dem Sport in seiner professionellen Form nicht ganz so nahe stehen, Hin-und-wieder-Konsumenten also, die das Geschehen aus und mit einer gewissen Distanz verfolgen, diesen Menschen fällt es zunehmend schwer, seine Ausprägungen, um nicht zu sagen Auswüchse, zu akzeptieren. Dass aus der einst so genannten schönsten Nebensache der Welt eine Milliarden bewegende, vielfach undurchsichtige Megashow geworden ist, stößt sie ab.

Am deutlichsten dokumentiert sich dieser Widerwille darin, dass Bewerbungen für die Austragung Olympischer Spiele per Volksentscheid reihenweise abgelehnt wurden. Die russische 50-Milliarden-Euro-Sause vor knapp vier Jahren in Sotschi: In vielen Ländern dieser Welt wäre sie nicht ansatzweise denkbar gewesen.

Es kommt einiges zusammen bei den Gründen, warum der Spitzensport so starke negative Gefühle auslöst. Doping, das im Grunde an jeder Leistung zweifeln lässt. Korruption, die man inzwischen hinter so gut wie jeder Vergabe eines Großereignisses vermuten darf. Gigantismus, der in Sotschi besonders offen zur Schau getragen wurde. Der aber auch bei der Fußball-WM 2022 in Katar augenscheinlich werden wird, wenn auf engstem Raum gleich zwölf futuristisch anmutende Stadien zu sehen sein werden. Minuspunkt wie bei vielen Großereignissen auch hier beim Thema Nachhaltigkeit: Für die meisten Stadien wird es keine weitere Verwendung geben.

Den größten Frust aber verursacht vermutlich das Verhalten der Verantwortlichen. Man wird das Gefühl nicht los, dass die FIFA unter ihrem neuen Präsidenten Gianni Infantino keine andere ist als unter ihrem alten, Sepp Blatter. Und auch IOC-Chef Thomas Bach tut sich schwer, seine Weltorganisation transparenter erscheinen zu lassen als vor seiner Zeit. Da sind nach wie vor politische Rücksichten zu nehmen. Etwa, wenn es darum ging, offensichtlich staatsgelenktes Doping in Russland entsprechend drastisch zu sanktionieren.

Unglücklicherweise wird nicht helfen, seine Sehnsucht nach einem fairen, sauberen, unverfälschten Profisport in den weihnachtlichen Wunschkorb zu legen. Schon nämlich stehen die Großereignisse des Jahres 2018 vor der Tür. Zuerst im Februar Olympia im wintersportlich ohne jede Tradition daherkommenden Pyeongchang – eine Schnee- und Eis-Veranstaltung aus der Retorte. Und im Juni/Juli die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland in heute noch nicht abschätzbarer Stimmungslage.

Es gibt zu beiden Themen nur eine sichere Konstante: Wenn die Bilder erst über den Schirm flimmern, werden sie faszinieren. Womöglich werden es etwas weniger Menschen sein, die sich blenden lassen. Massentauglich freilich ist der Spitzensport allemal – aller Widersprüche zum Trotz.

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