München – Die eine Frage darf an Weihnachten natürlich nicht fehlen: Was gibt’s zu essen? Die Menüplanung (sowie die Frage, ob vor oder nach der Bescherung getafelt wird) steht weit oben auf jeder Agenda. Im Hause Hoeneß ist es nicht anders als in anderen Familien, wo die Vorbereitungen wochenlang so aufwändig sind, dass an Heiligabend das Programm drastisch heruntergefahren wird. Die Kinder und Enkel kommen zu Besuch, es gibt schnelle, unkomplizierte Gerichte, maximal ein Fondue, manchmal auch Wiener mit Kartoffelsalat. Und, man hätte es sich bei einem Bratwurstfabrikanten eigentlich denken können: Nürnberger mit Sauerkraut.
In einem Interview mit der „tz“ gewährt der Präsident des FC Bayern interessante Einblicke. Nicht nur in die Gestaltung des Weihnachtsfestes. Die wurde schon zum öffentlichen Thema, als Hoeneß vor Wochen auf seinem Grundstück am Tegernsee einen 25 Meter hohen Baum schmücken und mit Lampen dekorieren ließ. Bei Nacht ist das gute Stück selbst vom anderen Seeufer nicht zu übersehen. „Das Schöne ist, dass sich so viele Menschen an diesem Baum erfreuen“, sagt Hoeneß, der schon etliche Briefe von Anwohnern des Tegernseer Tals bekommen hat. Beschwerden seien nicht darunter gewesen. „Alle haben sich für das wunderschöne Spektakel bedankt.“
Das mit dem Spektakel lässt sich auf die vergangenen Monate beim FC Bayern übertragen. Zuletzt hatte man den Eindruck, der Präsident könne mit dem Grinsen gar nicht mehr aufhören, so wunderschön lief es für den Rekordmeister (Fußball) bzw. ehrgeizigen Herausforderer (Basketball). In dieser Phase hat es Hoeneß geschafft, gleichzeitig omnipräsent zu sein und sich doch in der Öffentlichkeit rar zu machen. Interviews gibt er nur sehr dosiert und meist unter der Voraussetzung, dass die Basketballer der Aufhänger sind.
Aber natürlich ist er nicht untätig gewesen, wie sich speziell im Fußball deutlich gezeigt hat. Es war Hoeneß, der die gewiss nicht leichte Aufgabe löste, Jupp Heynckes ein weiteres Mal nach München zu lotsen. Längst weiß man, dass dies der entscheidende Impuls war, der die Bayern zurück in die Erfolgsspur führte. Selbst nach den hohen Maßstäben dieses Vereins verlief der Aufstieg erstaunlich zügig: „Innerhalb von zehn Wochen haben wir den ganzen Laden aufgemischt und wieder die Pole Position erreicht.“
Weihnachten ist die Zeit der frommen Wünsche, das weiß Hoeneß nicht nur, weil sein schönstes Fest das erste nach der Haftstrafe war: „Damals war ich sehr kaputt – ich hatte über 20 Kilogramm abgenommen. Aber es hat mir sehr viel Kraft gegeben.“ Er kann nachempfinden, wie wichtig für Heynckes die freien Tage im Schwalmtal sind, wo er Anfang Oktober jäh aus einem beschaulichen Rentnerdasein gerissen wurde, während die Ehefrau sich auf eine Knie-Operation vorbereitete. „Jupp soll in Ruhe zu seiner Frau und seinem Cando gehen und sich erholen. Da will ich auch gar kein Fass mehr aufmachen.“
Allerdings hat Hoeneß schon in den letzten Wochen zu diesem Thema ein paar Fässchen geöffnet, weswegen sein Standpunkt eindeutig ist. Priorität hätte für ihn ein weiteres Jahr mit Heynckes. Dummerweise ist in dieser Frage nicht jeder seiner Meinung. Vor allem nicht jener Mann, der als einziger tatsächlich etwas zu entscheiden hat – und unverändert zu einer Heimkehr zu Frau und Hund tendiert.
Erst ab 10. Januar, sagt Hoeneß, werde er sich mit dem Thema wieder befassen. So lange will er einfach nur genießen. Der Präsident vergleicht den FC Bayern in seinem aktuellen Zustand mit Dieter Wedels Vierteiler „Der große Bellheim“ aus dem Jahr 1993. Hier die vier Senioren, die eine heruntergewirtschaftete Kaufhauskette sanieren. Dort die Bayern-Routiniers Hoeneß (65), Karl-Heinz Rummenigge (62), Heynckes (72) und Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (75). Erfahrung ist Gold wert, aber die Pointe des großen Bellheim will der Präsident dann doch nicht unterschlagen: „Das Wichtigste war, dass es den Herren gelungen ist, ihre Nachfolger einzubauen.“ Wenn es nach ihm geht, muss das aber nicht zwingend schon in den nächsten Monaten geschehen.