Nordische Kombination

Der große Traum des Goldschmieds

von Redaktion

Bundestrainer Hermann Weinbuch tritt 2019 ab – vorher strebt er Olympiagold im Team an

von lars becker

München – Im letzten Weltcup vor Weihnachten hat Hermann Weinbuch mal wieder ein Weltcup-Wochenende „ganz nach meinem Geschmack“ erlebt. Erst triumphierte sein Schützling Eric Frenzel in Ramsau in Österreich, tags darauf Teamkollege Fabian Rießle – genau so stellt sich der Bundestrainer der Nordischen Kombinierer jeden Wettkampf vor. Und genau so – mit deutschen Siegen – laufen sie auch seit vielen Jahren meist ab: Frenzel hat fünfmal in Serie den Gesamtweltcup gewonnen, im vergangenen Winter standen die deutschen „Dominierer“ in 21 von 23 Weltcup-Rennen ganz oben. Zur Krönung gewann Weinbuchs Musterschüler Johannes Rydzek im finnischen Lahti alle vier möglichen WM-Titel – eine historisch einmalige Leistung – und wurde vor kurzem als Deutschlands Sportler des Jahres ausgezeichnet.

21 Jahre ist der „ewige Hermann“ inzwischen mit einer kurzen Unterbrechung im Amt und hat in dieser Zeit über 40 Medaillen mit seinen Schützlingen gewonnen. Er ist damit der wohl erfolgreichste deutsche Trainer über alle Sportarten hinweg. Doch bald soll Schluss sein für den Goldschmied des deutschen Wintersports. „Ich hatte ein Gespräch mit der Führung des Deutschen Skiverbandes. Auf alle Fälle mache ich noch weiter bis zu den Weltmeisterschaften 2019 in Seefeld – aber danach wird ein Wechsel stattfinden“, sagt Weinbuch. Er will sich dann mehr Zeit für seine Familie nehmen.

Der logische Nachfolger steht zumindest für Weinbuch ebenfalls schon fest: Sein Co-Trainer Ronny Ackermann. „Zumindest für mich gibt es keinen anderen, der das machen sollte. Ronny macht eine Superarbeit“, sagt Weinbuch. Tatsächlich hat sich der 40-Jährige Thüringer Ackermann in den sechs Trainerjahren unter dem Chef enorm weiterentwickelt. In seiner Sportlerzeit galt Ackermann als schwierig, schlug immer mal wieder über die Stränge. Aber er war mit vier Weltmeistertiteln und dem Titel als Deutschlands Sportler des Jahres 2005 auch enorm erfolgreich – natürlich vor allem dank seines Coachs Weinbuch.

Auch der galt in seiner Zeit als Sportler als kompliziert, aber räumte ebenfalls die Kombinierer-Titel in Serie ab. Dreimal Weltmeister wurde er, ehe er im Alter von 27 zurücktrat. Am Anfang seiner Trainer-Karriere galt der Mann aus Bischofswiesen noch als zu weich. Genau diese Menschlichkeit, gepaart mit überragendem Knowhow in Sachen Trainingslehre und Material, gilt aber inzwischen als seine größte Stärke. Weinbuch ist ein emotionaler Trainer, fast nach jedem großen Triumph – und von denen hat er in den letzten Jahren ja zahlreiche gefeiert – stehen ihm die Tränen in den Augen. Die von ihm installierten perfekten Strukturen bis in den Nachwuchs sorgen immer wieder für Top-Talente, die behutsam aufgebaut werden.

„Hermann ist die wichtigste Person in der deutschen Kombination über die letzten Jahrzehnte. Er hat ein System aufgebaut, das immer wieder Sieger produziert, und er kennt einfach alle Kniffe“, lobt Johannes Rydzek. Weinbuch ist zudem keiner, der es zulässt, dass sich jemand in seinem Team auf alten Erfolgen ausruht. So geht er auch seine voraussichtlich letzten Olympischen Spiele im Februar an: „Alle wollen uns schlagen, aber wir wollen in jedem Rennen zumindest einen aufs Stockerl bringen. Wir haben ein Pfund drauf.“ Weinbuch will sich in Pyeongchang seinen letzten großen Traum als Trainer erfüllen: Im Teamwettbewerb die erste deutsche Goldmedaille seit 30 Jahren gewinnen. Dann könnte er ein Jahr später guten Gewissens den Stab an Ronny Ackermann übergeben.

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