München – Die Weihnachtstage hat Larry Mitchell in diesem Jahr kaum zur Erholung nutzen können. Den Sportdirektor des ERC Ingolstadt verfolgten viele berufliche Dringlichkeiten bis ins eigene Wohnzimmer. Er musste sich immer wieder mit Doug Shedden abstimmen, den er erst am 22. Dezember als neuen Cheftrainer eingestellt hatte. Auch mit dem Spielermarkt musste er sich intensiv auseinandersetzen, nachdem er am 20. Dezember den wechselwilligen kanadischen Stürmer Brandon Buck verkauft hatte. Und ganz nebenbei musste Mitchell, der vor sieben Wochen zusätzlich noch als Interimstrainer eingesprungen ist, seine Mannschaft auf die wohl schwierigste Aufgabe vorbereiten, die die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) derzeit zu bieten hat: ein Auswärtsspiel beim EHC München.
Weil Doug Shedden erst gestern in Deutschland ankam, durfte sich Mitchell in der Olympia-Eishalle in München vorerst das letzte Mal mit dem Taktikbrett hinter die Spielerbande stellen. Von dort hätte er dann auch ein für ihn fast perfektes letztes Spiel dirigiert. Doch im Penaltyschießen schnappte sich der EHC München noch einen 4:3 (1:2, 1:1, 1:0, 1:0)- Sieg, der die aktuelle Erfolgsserie auf nun neun Spiele in Folge ausbaute. Die 4710 Zuschauer bejubelten am Ende mal wieder Dominik Kahun. Der Stürmer trickste Ingolstadts Torhüter Timo Pielmeier im Penaltyschießen mit einem Kunstschuss durch die Beine aus.
Warum der ERC Ingolstadt, immerhin der Meister von 2014 und Finalist von 2015, in den vergangenen Wochen auf den elften Tabellenrang abgestürzt ist, erschloss sich zumindest an diesem Abend nicht. Die Ingolstädter spielten mutig und bissig, setzten sich immer wieder im Münchner Drittel fest. „Sie stehen gut vor unserem Tor“, sagte EHC-Verteidiger Konrad Abeltshauser. „Sie haben sich dann die Nachschüsse geholt und die auch reingemacht.“
Die Aggressivität vor dem Tor bescherte dem ERC eine 2:0-Führung. Erst lupfte Michael Collins den Puck aus kurzer Distanz über den Schläger von Goalie David Leggio (9.), dann staubte Brett Olson ebenfalls direkt vor dem Kasten ab (14.).
Auch Ingolstadts Defensive erwies sich im Duell mit dem Tabellenführer als kompetent, obwohl Abeltshauser seinem Team im Telekomsport-Interview sogar bescheinigte, „gar nicht schlecht“ gespielt zu haben: „Wir haben unsere Chancen aber nicht genutzt.“ Das änderte sich erst 25 Sekunden vor Drittelende, als Derek Joslin nach der freien Scheibe hechtete und sie über die Linie drückte.
Die Aufholjagd setzte der EHC im zweiten Spielabschnitt fort. In Überzahl versuchte Mads Christensen einen Gewaltschuss, der von Pfosten zu Pfosten prallte. Anschließend hebelten Dominik Kahun und Jason Jaffray die ERC-Abwehr mit zwei geschickten Pässen aus. Patrick Hager, der zwischen 2012 und 2015 selbst in Ingolstadt aufgelaufen war, vollendete den Spielzug (28.). Der Ausgleichstreffer irritierte den ERC aber nicht. Darin Oliver eroberte die Führung mit einem Kontertor zurück (35.). „Ich liebe es, wie wir uns zurückgekämpft haben“, sagte der Torschütze. Das glückte dann aber auch dem EHC. Jonathan Matsumoto traf zwei Minuten vor Spielende zum Ausgleich – ehe Dominik Kahun sein Kunststück vorführen durfte.