Die Bayern wollen auch Kimmich binden

Prioritäten setzen

von Redaktion

Wenn man mal ehrlich ist, geht die „staade Zeit“ ja deutlich weiter als bis Weihnachten bzw.: Fängt danach erst an. Denn eigentlich hat man ja erst Gelegenheit zum Durchatmen, wenn der Trubel vorbei, die Familie abgereist, die Schokolade vom Baum gegessen und die Geschenke verstaut sind. Hinsetzen, Füße hochlegen, reflektieren, vorausschauen heißt es dann. Das Endfazit des Jahres bewegt sich meist irgendwo zwischen „alles super“ und „früher war alles besser“.

Was in 365 Tagen passieren kann, erlebt dieser Tage so gut wie jeder noch einmal im Schnelldurchlauf. Besonders deutlich aber wird die Kurzweiligkeit des Lebens beim Blick auf den Fußball. Ein paar Fragen zum Jahreswechsel: Erinnert sich noch jemand an Carlo Ancelotti? Hat Holger Badstuber mal beim FC Bayern gespielt? War Joshua Kimmich mal Mittelfeldspieler? Und galt es bei Kingsley Coman wirklich vor einigen Monaten als noch nicht sicher, dass sein Leihgeschäft in einen Kauf mündet?

Am Fall des Franzosen, dessen Kontrakt vor Weihnachten im Hauruckverfahren bis 2023 verlängert wurde, zeigt sich, welchen Effekt ein paar lichte Momente auf einen ganzen Lebenslauf haben können. Kein halbes Jahr nach der umstrittenen festen Verpflichtung eines Perspektivspielers gilt der Flügelflitzer als logischer Erbe von Franck Ribery. Aus unkoordinierter Schnelligkeit und planlosen Flanken haben ein paar Streicheleinheiten gefährlichen Tempo-Fußball, Tore und ab und an sogar präzise Vorlagen gemacht. Einer, der dringend liefern muss, wurde zu einem, der die Zukunft des FC Bayern verkörpert.

Aktuell ist Coman derjenige, der am längsten an den Verein gebunden ist. Dass ihm Joshua Kimmich in den kommenden Tagen aber folgen soll, ist genauso logisch wie dringend notwendig. Der Nationalspieler nämlich ist Coman – leistungs- wie führungstechnisch – noch mal einen deutlichen Schritt voraus. Was aktuell Thomas Müller, Manuel Neuer, Jerome Boateng und Mats Hummels leisten, wird in nicht allzu weiter Zukunft auf Kimmich übertragen.

Er soll die Säule sein, um die der FC Bayern sein Team aufbauen kann und mit deren Hilfe die Comans und James’ dieser Welt zu echten Bayern werden können. Wertschätzung in Einsatzzeiten auszudrücken ist irgendwann nicht mehr genug, und so hat sich Kimmich – in Relation zu seinen Kollegen gesehen – eine Gehaltsaufstockung redlich verdient.

Dass die Bayern den Vertragsgesprächen mit den Jungstars höchste Priorität einräumen, mag nicht allen gefallen, ist aber richtig. Franck Ribery (34), Arjen Robben (33) und Rafinha (32) werden sich bis ins Frühjahr gedulden müssen. Dringenden Vorrang hat bei den Bossen sogar noch Sven Ulreich. Auch der Torhüter ist schon 29 Jahre alt – aber ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie das Leben so spielen kann.

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