Köln – Jim Walden, Anwalt des Whistleblowers Grigori Rodschenkow, hat dem IOC im Fall des russischen Staatsdopings ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt und den Rücktritt von Thomas Bach gefordert. Der deutsche Präsident verteidigte die IOC-Entscheidungen mit Vehemenz.
Bach bezeichnete die Machenschaften Russland speziell 2014 in Sotschi zwar als „schwerste Attacke auf die Integrität der Olympischen Spiele, die wir je erlebt haben“, das IOC aber habe bei seinen Entscheidungen vor allem die nicht in den Skandal beteiligten russischen Athleten im Blick gehabt.
Das IOC hatte Russland wegen systematischen Dopings von den Spielen 2018 in Pyeongchang ausgeschlossen. Nachweislich sauberen Athleten des Landes wird gestattet, unter gewissen Bedingungen als „Olympic Athlete from Russia“ (OAR) teilzunehmen. „Wenn es sauberen Athleten ermöglicht wird nachzuweisen, dass sie sauber sind, wenn man ihnen Gerechtigkeit widerfahren lässt – inwiefern ist das dann unethisch?“, sagte Bach in der Welt am Sonntag.
Den Vorwurf, das IOC habe Russland nur deswegen nicht härter bestraft, um Präsident Wladimir Putin nicht zu verärgern, ließ Bach nicht stehen: „Diese haltlose Theorie wird vornehmlich in Deutschland vertreten.“ Das Wichtigste bei der Beurteilung seien für ihn die Stimmen der Athleten. „So haben wir beispielsweise unmittelbar nach der Entscheidung eine Telefonkonferenz gemacht, an der sich 68 Vertreter von Athletenkommissionen aus aller Welt beteiligten“, so Bach, „kein einziger hat gegen die Entscheidung interveniert. Auch eine ganze Reihe deutscher Wintersportler hat diese Entscheidung ausdrücklich begrüßt.“
Für Jim Walden war das Urteil dagegen eine Bankrotterklärung. Bach und das IOC hätten, so der Anwalt, die olympischen Ideale beerdigt. Was Bach nicht verstehe, sei, dass es nicht um Dr. Rodschenkow oder Wladimir Putin gehe, nicht einmal um die russischen Sportler, „es geht um die olympischen Ideale, diese gibt es nicht mehr oder sie sind korrupt, sie sind tot, Olympische Spiele werden zu einer Serie von billigen Karnevals-Veranstaltungen.“ sid