Ulm – Als alles vorbei war, wollte sich auch Thorsten Leibenath noch einmal vor dem Bezwinger verneigen. Der Trainer der Ulmer Basketballer hatte schon im Vorfeld des Südgipfels der Bundesliga anerkennend erklärt: „Der beste Basketball wird momentan in München gespielt.“ Nach getaner Arbeit ging er ins Detail: „Das Faszinierende an den Bayern ist, sie sind größer als meine Spieler auf den vergleichbaren Positionen und haben trotzdem die gleiche Beweglichkeit.“
Und das war schon ziemlich viel an Erklärung für das deutliche 89:75 (48:31), mit dem der FC Bayern endgültig klar machte, woran ohnehin schon eine Weile niemand mehr gezweifelt hat: Das Team von Trainer Sasa Djordjevic ist Herbstmeister.
Momentan gibt es für die Konkurrenz wenig Anhaltspunkte, wie an der Münchner Spitzenposition in der zweiten Hälfte der Hauptrunde zu rütteln sein könnte. Auch in die heutige Fortsetzung des Eurocup beim italienischen Spitzenklub Fiat Turin (19 Uhr) um den Ex-Bamberger Trevor Mbakwe gehen Kapitän Anton Gavel und Kollegen als klarer Favorit. Daran kann auch die Niederlage im bedeutungslosen Vorrundenfinale vor einer Woche in Reggio Emilia nichts ändern.
Wobei: Was heißt bedeutungslos. Am Münchner Ego hat die Sache schon ein wenig gekratzt. „Niederlagen sind nie positiv“, sagte Gavel. „Man macht sich nach so einem Spiel schon seine Gedanken“, fügte Kollege Danilo Barthel hinzu.
Was das bedeutet, wenn sich die Münchner so ihre Gedanken machen, das bekam Ulm ziemlich schnell zu spüren. Die Schwaben galten nach zuletzt acht Siegen in Folge als das – neben dem FC Bayern – heißeste Team der BBL. Doch der hoch konzentrierte Ligaprimus (lediglich acht Ballverluste/Saisonrekord) brauchte gerade einmal ein Viertel, um die Verhältnisse zu klären. Wobei es sich günstig traf, dass zwar nicht Stefan Jovic und der Langzeitverletzte Vladimir Lucic, aber immerhin der zuletzt Magenkranke Milan Macvan wieder mitmachen konnte.
Es ist nicht unbedingt so, dass der Serbe den Münchner Luxuskader dominieren würde. Aber Macvan macht die Spiele für die Bayern leichter. Der Kapitan der Nationalmannschaft seines Heimatlandes ist Dreh- und Angelpunkt in der Defensive. In der Offensive kann er immer wichtige Punkte beisteuern, 14 waren es in Ulm.
Das ist nicht unbedingt Spektakel, aber das braucht Macvan auch nicht. Dafür sind bei den Münchnern andere zuständig. Jared Cunningham zum Beispiel. Der NBA-erfahrene Guard spielte mit den Schwaben phasenweise Katz- und Maus. Hinten luchste er den Gastgebern viermal den Ball ab, vorne versenkte der US-Boy, was zu versenken war. Mit 22 Punkten war er selbstverständlich Topscorer. Darunter war mit einem Dunk mit dem Rücken zum Korb auch eine echte Machtdemonstration des Mannes, in dem viele einen heißen Kandidaten für den Titel „Wertvollster Spieler der Saison“ sehen.
Geschäftsführer Marko Pesic war entsprechend beeindruckt. „In der Verteidigung war er heute wirklich perfekt“, erklärte der Münchner Basketball-Chef, „so eine Defense habe ich in der Bundesliga selten gesehen.“
Sein Trainer Sasa Djordjevic indes sah es weniger schwärmerisch. Der 50-jährige Serbe wies auf die in den letzten Wochen eher wackeligen Vorstellungen Cunninghams hin. „Er muss seine Leistung noch konstanter werden“, sagte der Bayern-Coach, „aber er hat eine positive Reaktion gezeigt.“