Erinnerungen an Prevc

von Redaktion

Kamil Stoch beherrscht in der ersten Tournee-Hälfte die Konkurrenz – Schuster: „Mit allen Wassern gewaschen“

Garmisch-Partenkirchen – Irgendwann musste auch Kamil Stoch Härte zeigen. Der Sieger der beiden ersten Springen der 66. Vierschanzentournee löste sich von der Zuneigung der polnischen Fangemeinde und hastete im Laufschritt aus dem Skistadion. „Ich weiß, was ich diesen Leuten schuldig bin, die von sehr weit her kommen“, sagte Stoch, „aber irgendwann muss ich eine Grenze setzen.“

Der Mann hat schließlich Ziele bei dieser Tournee. Er will als erster Springer seit dem Österreicher Gregor Schlierenzauer 2012 und 2013 seinen Titel beim ersten Saisonhöhepunkt verteidigen. Noch ist erst die Hälfte des wichtigsten Turniers der Springerwelt Geschichte, doch nach Stochs Siegen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen ist die Zuversicht im Kreis der Rivalen doch merklich gesunken. Auch bei Werner Schuster. „Man muss schon sehen, dass da ein Mann vorne liegt, der mit allen Wassern gewaschen ist und schon alles gewonnen hat“, sagte der deutsche Bundestrainer. Auch sein Schützling Richard Freitag blickte zurückhaltend optimistisch in Richtung Innsbruck, wo die Tournee am Donnerstag weitergeht. „Auch Kamil ist nicht perfekt“, betonte er, „aber wenn er springt wie in Oberstdorf und hier, dann wird es natürlich sehr schwer.“

Und damit war so dann doch nicht unbedingt zu rechnen gewesen. Stoch war eher verhalten in diesen Winter gestartet. Erst bei der Generalprobe in Engelberg hatte er sich mit den Plätzen zwei und drei auf Schlagdistanz zum bis dahin führenden Richard Freitag herangepirscht. Auch sein Trainer Stefan Horngacher konnte nur mutmaßen, wie es um die Form seines Vorfliegers bestellt war. „Er hat gut trainiert, ich hoffe, dass er ein Wort mitreden kann“, sagte der beim Auftakt in Oberstdorf.

Wie Stoch sich nun präsentiert, das erinnert doch ein bisschen an Peter Prevc. Der Slowene war vor zwei Jahren auch eher verhalten in die Saison gestartet und hatte dann bei der Tournee die Konkurrenz beherrscht. Auch damals war der einzige nennenswerte Verfolger ein Deutscher, Severin Freund holte letztlich mit Platz zwei die seit langem beste Tourneeplatzierung für den DSV.

Doch zumindest Stoch will sich fürs Erste noch nicht mit dem Blick nach vorne befassen. „Ich schaue auch nicht auf die Konkurrenten, ich schaue nur auf mich“, sagte er, „und ich freue mich immer, dass ich den schönsten Sport der Welt betreiben darf. Das ist Skispringen für mich.“ Auch wenn er dabei manchmal ein bisschen Härte zeigen muss. Patrick Reichelt

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