Ein recht herzliches Grüß Gott im neuen Jahr, liebe Leser! Sind Sie auch so energiegeladen und motiviert wie wir in der Sportredaktion? Alles eine Frage der inneren Einstellung, mit der der Autor dieser Kolumne schon am Montag auftrumpfen konnte, als er 9 Stunden und 55 Minuten nach dem Silvesterfeuerwerk das wie ein Geisterhaus wirkende Verlagsgebäude betrat – kurz nach dem neuen Volontär, der auch nichts von der internen Neujahrsregelung (Dienstbeginn 11 Uhr) mitgekriegt hatte.
Es lief dann auch lange gut mit dem neuen Schwung – abgesehen von nur winzigen Verstößen gegen die kleine Litanei an guten Vorsätzen. Auf der Negativseite steht: Zugeschlagen, als der Ressortleiter einen „Restposten“ an Plätzchen auf den Sortiertisch stellte. Das private Fitnessprogramm auf den Abend und schließlich auf den nächsten Tag geschoben. Und auch das Haus sieht noch immer aus, als seien buchstäblich Heiligabend (nadelnder Christbaum), Kindergeburtstag (Lego in jeder Sofaritze) und Jahreswechsel (fieses Konfetti) auf einen Tag gefallen.
Wie man das mit den Vorsätzen optimieren kann, hat nun Jerome Boateng vorexerziert. Im Garten seines Anwesens vor den Toren der Stadt hat der Bayern- und DFB-Star ein paar Messingschilder aufgestellt, die er voller Stolz ablichten ließ. „Disziplin“ steht auf einer grabsteingroßen Tafel vor einem asiatisch anmutenden Nadelbaum, „Wille“ und „Kraft“ zwischen zwei Thujen. Und irgendwo in seinem „Motivationsgarten“ soll sich auch noch eine Tafel mit der Aufschrift „Ehrgeiz“ verstecken.
Ein neuer Trend, wie unsere Zeitung erfahren hat. Ähnliche Schilder sind zuletzt an ganz vielen Orten gesichtet worden, wo sich Prominente unbeobachtet wähnen. Zum Beispiel auf der Gassistrecke von Jupp Heynckes und Cando („Nicht weich werden, wenn der Uli mit einem neuen Vertrag ankommt!“). Auf der Privatyacht von 1860-Mehrheitseigner Hasan Ismaik („50+1 achten!“) ebenso wie in seiner Ayurveda-Gesundheitsfarm („Weißwürste statt Miso-Suppe“, „Ein voller Bauch streitet nicht“). Und nicht zuletzt hat auch Joachim Löw ein paar solcher Tafeln virtuell an seine Nationalspieler verschickt. „Titelhunger entwickeln!“ stand auf der ersten WhatsApp, die an Neujahr die Runde machte. Weitere Sinnsprüche sind bereits im Textspeicher: „Mexikanische Fiesta vermeiden“ (17. Juni), „Schweden schnappen“ (23.), „Koreaner knicken“ (27.).
Vor so geballter Mentalpower kann unsereiner nur den Hut ziehen. Wir trösten uns damit, dass wir auch am 2. Januar schon um 10.10 Uhr im Büro waren – und bereits vor der Mittagspause ein persönliches Ziel abhaken konnten: Die erste Glosse des neuen Jahres ist hiermit verfasst 😉