Innsbruck – Auf dem Weg in Richtung Tal ist Andreas Wellinger dann doch irgendwie mulmig geworden. Aus unerwartet großer Höhe blickte der Münchner („Die Sicht war nicht gut“) in das ziemlich nebulöse Weiß der Zone jenseits der 130-Meter-Linie. Und so ist er dann doch lieber auf Nummer sicher gegangen und setzte seinen Flug auf 133 Meter ziemlich breitbeinig in den holprigen Schnee von Innsbruck. Das könnte eine ganz weise Entscheidung gewesen sein, wie Wellinger auch mit Blick auf den folgenschweren Sturz von Richard Freitag ahnte.
Das Missgeschick des Teamkollegen erlebte der 22-Jährige aus der Nähe mit. Vor Wut trat er erst einmal gegen eine Tür. „Der Ritsch ist in einer derart guten Form“, sagte er, „das ist schon extrem bitter.“
Und die Sache trübte naturgemäß die Freude über seinen eigenen rundum gelungenen Tag. In Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen hatte er sich durchwegs im besseren Mittelmaß bewegt. Was schon an mehr lag als der Missgunst der Winde, wie auch Bundestrainer Werner Schuster bemerkte. „Er springt im Moment nicht ganz mit der Lockerheit der ersten Wochen“, sagte der 46-Jährige zuletzt in Garmisch-Partenkirchen. Wellinger selbst war mit Schulter-Zucken nach Innsbruck weitergereist. „Ich muss einfach an den kleinen Details arbeiten“, betonte er.
Die Arbeit ist ihm schneller geglückt, als er das vielleicht selbst erwartet hatte. „Endlich habe ich meine Sprünge mal wieder so runtergebracht, wie ich mir das vorstelle“, sagte er. Der Lohn ist: Platz zwei im Gesamtklassement. Und dies vor dem Wechsel nach Bischofshofen. Auf die Tourneeanlage, die ihm nach eigenem Empfinden am Besten liegt. An mehr will Wellinger aber nicht denken. Er weiß zu gut, dass er die rund 65 Punkte Rückstand auf Kamil Stoch nur wettmachen kann, wenn dem ein ähnliches Missgeschick unterläuft wie Freitag am Donnerstag in Innsbruck. Der Münchner selbst hat sich das im Vorjahr in Bischofshofen bewiesen: Seinerzeit hatte er auf der Paul-Außerleitner-Schanze mit dem Schanzenrekord von 144,5 Metern die Qualifikation für sich entschieden. Tags darauf schied er nach völlig verpatztem ersten Wertungsdurchgang aus.
„Aber auf so etwas will keiner hoffen“, sagte Wellinger, „und es wird auch nicht passieren, denn dafür springt Kamil momentan einfach zu stark.“ patrick reichelt