Wer den Begriff Spitzensport hört und dabei sofort an Fußball denkt, hat schon den ersten Fehler gemacht. Die Masse der Spitzensportler lebt nicht im Reich der Euro-Millionäre. Sondern fristet – gerade in Deutschland – ein finanziell höchst durchschnittliches Leben. Wenn überhaupt.
Darauf hat der Athletensprecher im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der Fechter Max Hartung, in einem Interview mit der „SZ“ eindrücklich hingewiesen. Und seine Konsequenz gleich hinterhergeschickt: Wenn sich am derzeitigen Fördersystem für „normale“ Spitzensportler nichts ändere, werde er aus seiner Funktion zurücktreten.
Hartung, Mannschafts-Weltmeister und Einzel-Europameister in der Disziplin Säbel immerhin, hat dabei auch seine Finanzen offengelegt. 300 Euro bekommt er monatlich von der Sporthilfe, 300 dazu von seiner Kreissparkasse. Und wenn er nicht kürzlich zusätzlich einen privaten Sponsor aufgetan hätte, würde er ziemlich genau bei jenen 626 Euro landen, die eine Studie für einen durchschnittlichen deutschen Kaderathleten errechnet hat.
Dass die Erhebung ein paar Jahre alt ist und in ihr auch Jugendliche miteingerechnet sind: Geschenkt. An der Größenordnung ändert sich nichts. Und die ist beschämend für ein Land wie Deutschland. Auch für die Politik, die sich gerne hinstellt als großer Förderer des Sports und keinen Fototermin verpasst, wenn in Hochglanz Titel und Medaillen zu feiern sind. Beschämend im Übrigen auch für große Teile der deutschen Wirtschaft, die schon mal Millionen dafür ausgibt, um bei einem großen Fußballklub als x-ter Co-Sponsor auf der Tafel zu stehen.
Max Hartung strebt eine Verbesserung in ganz anderen Dimensionen an. Das Mitglied eines Olympia-Kaders müsste schon mit einer Förderung von 1500 Euro monatlich ausgestattet werden, fordert er. Es sollte sich lohen, diesen Betrag eingehend zu reflektieren. Und in diesem Zusammenhang darüber nachzudenken, ob die wahren Sport-Vorbilder für Kinder und Jugendliche nicht eher aus diesem volkstümlichen „Preissegment“ kommen sollten. Statt aus dem Reich der Millionäre.