München – Jared Cunningham musste den Ball nur einmal zwischen den eigenen Beinen hindurch prellen, um Ben Madgen in die falsche Richtung zu locken. Den plötzlichen Freiraum nutzte der Offensivkünstler des FC Bayern dann für einen präzisen Wurf in den Korb. Und weil Madgen ihm unvorsichtig hinterhergehechtet war, erhielt Cunningham sogar noch einen Bonusfreiwurf.
Schon einen Angriff zuvor hatte der US-Amerikaner seinen Verteidiger mit einer flotten Drehung ausgetrickst. Es waren Einzelaktionen dieser Art, die dem FC Bayern gestern Abend im zweiten Zwischenrundenspiel des Eurocups einen wichtigen 81:68 (42:35)-Heimsieg gegen den litauischen Klub Lietuvos Rytas Vilnius einbrachten.
Dass die Bayern auch die Kunst der vielen Pässe beherrschen, haben sie in dieser Saison bereits bewiesen. Nachdem sie vor einer Woche das Auftaktspiel der Top-16-Runde in Turin verloren hatten, waren sie im Eurocup jedoch unter Druck geraten. Eine weitere Niederlage, dazu noch in der eigenen Halle, hätte das Weiterkommen in der Vierergruppe erheblich bedroht. Auf schöne Haltungsnoten verzichteten die Bayern also gerne.
Ohnehin war es in dieser Trainingswoche hart zur Sache gegangen. Trainer Aleksandar Djordjevic, der seine Mannschaft nach der Turin-Pleite scharf kritisiert hatte („Wir hatten eine schlechte Herangehensweise und eine schlechte Einstellung“), war mit einem „ernsten Gespräch“ an seine Spieler herangetreten. Die Profis hatten das zum Anlass genommen, sich in den Übungseinheiten besonders zu beweisen. Auf eine förderliche Art und Weise seien sie sogar „ein bisschen aneinandergeraten“, berichtete Danilo Barthel.
Im Wettkampf trumpften die Basketballer mit ihren individuellen Stärken aus. Cunningham traf aus der Distanz (18 Punkte, zwei Dreier), Devin Booker presste den Ball mit Wucht durch den Ring (18 Punkte), Milan Macvan arbeitete körperbetont unter dem Korb (12 Punkte, 11 Rebounds). „Heute hatten wir die Physis, die man auf diesem Level braucht“, lobte Djordjevic hinterher.
Dieses Gesamtpaket hatte Vilnius ab dem dritten Viertel nur noch wenig entgegenzusetzen. Im ersten Spielabschnitt (23:22 für München) waren die Litauer dem FC Bayern noch mit vielen trickreichen Lauf- und Passspielzügen begegnet. Derlei Ideen gingen ihnen aber ziemlich zügig aus. Auch der frühere Bundesliga-Profi Chris Kramer, der als Point Guard Vilnius’ Spiel lenkt, enttäuschte (6 Punkte, 3 Vorlagen). „Wir haben ihn sehr gut verteidigt“, sagte Djordjevic.
Im Parallelspiel der Gruppe F schnappte sich St. Petersburg gegen Turin den zweiten Sieg (95:84). Die Russen treten am kommenden Mittwoch in München an. Weil die Bundesliga aufgrund des All-Star-Game aussetzt, bleibt den Bayern eine Woche, um sich vorzubereiten – und die Erkenntnis: Die erste große Prüfung im Eurocup haben sie bestanden.