Zagreb – Nach den Debatten um die Kadernominierung und dem Wirbel um den EM-Spielort kann die Mission Titelverteidigung der deutschen Handballer endlich beginnen. Zwei Jahre nach dem sensationellen Gold-Triumph von Krakau wollen die „Bad Boys“ bei der Endrunde vom 12. bis 28. Januar in Kroatien erneut glänzen. Angeführt vom neuen Bundestrainer Christian Prokop soll bei seiner ersten großen Bewährungsprobe das WM-Debakel vom Vorjahr vergessen gemacht werden.
„Wir wollen erfolgreich sein und Werbung für unsere Sportart machen. Das schafft man mit der Art und Weise, wie man spielt, aber in erster Linie natürlich über Erfolg. Wir sehen uns als Zugpferd unserer tollen Sportart“, sagte Prokop.
Ganz ohne Störgeräusche verlief die sportlich erfolgreiche Vorbereitung aber nicht. Grund dafür war die Benennung des Aufgebots. Nur noch acht Europameister stehen im 16er Kader, vom olympischen Bronzegewinn 2016 in Rio sind noch elf Spieler dabei. Prokop war auch öffentlich dafür kritisiert worden, dass Spieler wie Finn Lemke nicht berücksichtigt wurden. Trotzdem hat der 39 Jahre alte Coach vor seiner internationalen Feuertaufe ein gutes Gefühl. „Ich spüre keine Leichtfertigkeit bei den Spielern. Alle sind sehr fokussiert und motiviert.“
Heute vormittag geht es von Berlin nach Zagreb, wo die DHB-Auswahl in der Vorrunde auf Montenegro, Slowenien und Mazedonien trifft. Um die Arena in der kroatischen Hauptstadt schwelt ein ungelöster Kostenstreit, der Betreiber Ingra hatte zunächst damit gedroht, die Halle kurzfristig nicht zur Verfügung zu stellen. Gestern gab es jedoch Entwarnung.
Das deutsche Team ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. „Wir wollen die Gruppenphase mit der maximalen Punktausbeute überstehen und ein gutes Turnier spielen. Das Halbfinale ist ein ambitioniertes Ziel, das wollen wir erreichen“, so Prokop.
Von der Titelverteidigung spricht im deutschen Lager – zumindest öffentlich – noch niemand. „Wir sind dieses Mal die Gejagten“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer. Vom Verband gibt es nur moderaten Druck. „Der Anspruch einer deutschen Mannschaft muss es sein, jedes Spiel gewinnen zu können und zu wollen. Immer im Wissen, dass wir nicht jedes Spiel nur durch eine eigene gute Leistung gewinnen können, weil die Weltspitze zu breit ist“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.