Flachau – Die Vorstellung war wieder einmal phänomenal, die von Mikaela Shiffrin. Ausnahmsweise aber nicht schon im ersten Durchgang, dieses Mal machte es die 22-Jährige aus den Vereinigten Staaten spannend. Aber am Ende stand sie auch beim fünften Weltcup-Rennen in diesem Jahr ganz oben, feierte beim Slalom von Flachau am Dienstagabend ihren insgesamt 41. Sieg (siehe Statistik). Die Vorstellung der Deutschen war nicht phänomenal, aber das hat auch niemand erwartet. Immerhin haben es mit der Oberstdorferin Christina Geiger als 14. und der direkt dahinter platzierten Marina Wallner vom SC Inzell zwei Läuferinnen unter die besten 15 geschafft. Das ist fast Standard in diesem Winter und klingt zunächst einmal gar nicht so schlecht. Tatsächlich findet Jürgen Graller, der neue Frauen-Cheftrainer im Deutschen Skiverband, dass die Richtung „im Großen und Ganzen“ passe. Aber er sieht aber eben auch viele Dinge, „die man sehr kritisch hinterfragen muss“. Die Platzierungen gehören nicht dazu, die sind ordentlich und immerhin haben Geiger, Wallner und Lena Dürr bereits seit Ende Dezember ihr Ticket für die Olympischen Winterspiele sicher.
Graller hatte bei Amtsantritt im Slalom eine solide Basis vorgefunden, auf den ersten Blick. Geiger und Dürr gehören schon lange zur erweiterten Weltspitze, dahinter kommen jüngere Fahrerinnen wie die 23 Jahre alte Wallner, die in dieser Saison aufschließen konnte, etwas später als geplant, weil sie eine schwere Verletzung hinter sich hat. Die beiden Etablierten aber sind noch immer da, wo sie bereits vor acht Jahren waren, oder besser: sie sind nach einigem Auf und Ab wieder da, also gelegentlich in den Top Ten. Für Graller mag es beim Blick auf die Ergebnislisten der vergangenen Jahre ein kleiner Aufwärtstrend sein, aber tatsächlich stagnieren die Athletinnen. „Ich weiß einfach, dass ich mehr kann. Deswegen erwarte ich auch mehr“, sagte Geiger am Dienstag. Das haben in den vergangenen Jahren auch alle Verantwortlichen getan. Zuletzt waren nach jeder Saison die für die Technikerinnen zuständigen Trainer ausgewechselt worden, um die mit genügend Potenzial ausgestatteten Allgäuerin nach vorne zu bringen.
Das gleiche trifft auf Dürr zu, die mit Platz sechs in Levi gut in die Saison gestartet ist. „Sie hat nicht überlegt, ist reingefahren und schon war sie unten“, sagt Graller. Seitdem sucht die 27 Jahre alte Germeringerin nach dieser Form und grübelt zu viel, wie ihr Trainer findet. „Wenn ich zu viel nachdenke, was passiert ist, bin ich immer hinten dran.“ Er rät seinen Läuferinnen ohnehin stets, „habt’s eine Gaudi, lacht’s und fahrt’s runter.“ Bei Dürr fehlt jetzt das Selbstvertrauen. Ihr unterlaufen im Gegensatz zum Saisonbeginn skitechnische Fehler. Sie fällt mit dem Oberkörper oft zu weit nach vorne und kann dadurch am Ende des Schwungs nicht mehr optimal beschleunigen. In Flachau fädelte Dürr im ersten Durchgang am siebten Tor ein. Wie auch Geiger und Wallner schaffte sie es nicht, sich auf den unrhythmischen Lauf und den schweren Schnee einzustellen. Sich auf verschiedene Bedingungen einzustellen, weiß Graller, gelte es noch zu üben. „Der Einheitsschwung“, sagt er, „funktioniert nicht bei allen Bedingungen, auch wenn er noch so gut ist.“
In den vergangenen Jahren ging es bei der internen Slalom-Analyse neben der Skitechnik auch oft um fehlende Risikobereitschaft. „Es gibt gewisse Läufe, da haben sie nicht attackiert“, sagt Graller. Dazu gehören sicher jene in Flachau am Dienstag. Aber generell gelte das nicht, findet der Österreicher. Keine betreibe Arbeitsverweigerung. „Die, die da oben stehen, wollen doch schnell fahren“. Aber das schaffen eben nicht alle. Seine Läuferinnen ein kleines bisschen öfter als vor ein paar Jahren, aber immer noch nicht oft genug.