Djokovic muss seine Teilnahme offen lassen

von Redaktion

Testspiele liefern noch keine endgültige Erkenntnis darüber, ob der lange verletzte Serbe bei den Australian Open antreten kann

von doris henkel

Melbourne – Als er mittags aus dem Klubhaus kam, warten die Fans ungeduldig am Fuße der Treppe. Und anders als Rafael Nadal, der sich am Tag zuvor und ohne Reaktion auf den Weg zum Centre Court im guten, alten Kooyong Club gemacht hatte, hatte es Novak Djokovic nicht eilig. Lächelnd klatschte er viele ausgestreckte Hände ab. Es saß so aus, als freue er sich über jeden einzelnen Fan. Ziemlich genau sechs Monate nach seinem bis dahin letzten Spiel kehrte der Serbe gestern in Melbourne zu einem offiziellen Auftritt auf den Tennisplatz zurück, und dass es sich dabei noch nicht um die Australian Open, sondern um ein Einladungsturnier handelte, tat dem Vergnügen offensichtlich keinen Abbruch.

In der vergangenen Woche hätte Djokovic schon beim Turnier in Doha und davor bei einem Showturnier in Abu Dhabi spielen sollen, doch für beide Veranstaltungen hatte er abgesagt, weil er wieder Schmerzen im lange Zeit lädierten rechten Ellbogen gespürt hatte. Zu diesem Zeitpunkt schien es höchst fraglich zu sein, ob er sich die Reise nach Australien antun würde. Beglückt sahen die Organisatoren des Turniers dann zu, als er am Wochenende in Melbourne aus dem Flieger stieg. Djokovic spielte nicht nur wie verabredet mittags in Kooyong gegen den Österreicher Dominic Thiem, sondern am Abend auch beim so genannten Tiebreak Tens im Melbourne Park. Es ging in beiden Fällen weniger um Sieg oder Niederlage, sondern um Tests, wie der Ellbogen auf zwei halbwegs ernsthafte Einheiten innerhalb eines Tages reagieren würde.

Djokovic’ rechter Arm steckte in einer Bandage vom Handgelenk bis rauf zur Schulter, wie sie auch die Kollegen Kyrgios und Raonic bisweilen tragen. Es fiel schnell auf, dass er in der Auszeit seine Aufschlagbewegung ein wenig verkürzt hatte. Genaueres über den Leistungsstand ließ sich kaum sagen, denn Thiem war nicht in der Lage, einen Maßstab zu liefern, nachdem er wegen eines Virus in Doha drei Tage im Bett verbracht hatte und noch unter Jetlag litt.

Djokovic machte allerdings nicht den Eindruck, als störe ihn die fehlende Gegenwehr. Nach dem Sieg ließ er wissen: „Es fühlt sich einfach großartig an, auf diesen Moment habe ich sechs Monate gewartet. Es war ein fantastischer Test, um zu sehen, ob wir als Team an den richtigen Dingen gearbeitet haben, vor allem beim größten Fragezeichen, dem Aufschlag. Ich will nicht übertrieben zuversichtlich sein, aber im Moment freue ich mich erstmal darüber, wie alles gelaufen ist.“ Beim Weg zurück zum Klubhaus ging er fast unter in der Menge, doch er erfüllte jeden Autogrammwunsch und jede Frage nach einem gemeinsamen Foto.

Abends beim Tiebreak Tens verlor er gegen Australiens Davis-Cup-Kapitän Lleyton Hewitt (6:10), der vorübergehend aus dem Ruhestand zurückgekehrt ist, um in Melbourne Doppel zu spielen.

Was das nun alles zu bedeuten hat? Schwer zu sagen. Bei der heutigen Auslosung für das Turnier dürfte der Name Djokovic mit einiger Sicherheit auf dem Tableau stehen, ob der Rückkehrer dann allerdings tatsächlich in der kommenden Woche im Melbourne Park spielen wird, darauf gibt es noch keine gesicherte Antwort. „Im Moment bin ich im Turnier“, sagt Djokovic, „und wir werden sehen, wie es in den nächsten fünf Tagen weitergeht. Hoffentlich geht alles gut, und ich bin dann bereit.“

Auch Rafael Nadal war erst vor ein paar Tagen ohne vorbereitenden Auftritt bei einem kleineren Turnier in Australien gelandet, aber im Fall des Spaniers scheint es eine gewisse Sicherheit zu geben. Beim Tiebreak Tens war er am Abend kaum zu bremsen, verlor zwar das Finale gegen Tomas Berdych, machte aber alles in allem einen dynamischen, energiegeladenen Eindruck.

Einem weiteren ehemaligen Patienten scheint es noch nicht so gut zu gehen. Stan Wawrinka, der im vergangenen Jahr am linken Knie operiert worden war, sagte ohne Angabe näherer Gründe für die Veranstaltung am Abend ab. Schon vorher hatte der Schweizer verlauten lassen, falls er sich nicht fit genug fühle, werde er in Melbourne nicht ins Turnier einsteigen.

Artikel 1 von 11