Ein guter Tag – dank Roman Rees

von Redaktion

Der 24-Jährige überrascht beim Auftakt des Ruhpoldinger Biathlon-Weltcups mit Rang 4

Ruhpolding – Es dauerte sehr lange, bis aus einem bestenfalls passablen Tag der deutschen Biathleten doch noch ein guter wurde. Für das Ergebnis mit besonderer Note sorgte der Mann, der als Letzter der 108 Starter ins Rennen über 20 km ging: Roman Rees also. Der in seiner bisherigen Karriere noch nicht spektakulär in Erscheinung getretene Skijäger des SV Schauinsland versetzte die 10 500 Zuschauer in der Chiemgau-Arena in einen finalen Begeisterungstaumel. Am Ende hatte der 24-Jährige alle 20 Scheiben abgeräumt und traf als Viertbester im Ziel ein. „Für mich ist das ein Traum“, sagte er.

Rees war damit nicht nur klar Teambester vor Arnd Peiffer (11.), Simon Schempp (13.), Johannes Kühn (16.), Benedikt Doll (22.) und Erik Lesser (63.), sondern er schaffte damit auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele. „Ich bin superglücklich“, sagte der Schwarzwälder mit unübersehbar leuchtenden Augen.

„Das war schon die ganze Zeit meine Hoffnung, dass es Roman schafft. Es ist zuletzt mit ihm stetig bergauf gegangen“, sagte Bundestrainer Mark Kirchner. Allerdings hatte es seine Zeit gedauert, bis Rees in dieser Saison seine Chance im Weltcup bekommen hatte. Nach achtbaren Resultaten im zweitklassigen IBU-Cup durfte er sich erst vergangene Woche in Oberhof beweisen. Mit den Rängen 30 und 19 qualifizierte er sich auch für den Ruhpoldinger Weltcup – und lieferte gestern prompt die erste Nuller-Serie im Einzel seiner Karriere. Zum Podium fehlten Rees nur 12,8 Sekunden.

„Eine astreine Leistung von Roman: fehlerfrei im Schießen, schnell im Laufen“, belobigte Simon Schempp seinen Teamgefährten. Beim Erfolg von Martin Fourcade (Frankreich) vor Ondrej Moravec (Tschechien) und Johannes Thingnes Boe (Norwegen) stand der amtierende Massenstart-Weltmeister unter ganz besonderer Beobachtung. Schließlich gilt Schempp als die wohl größte deutsche Medaillenhoffnung in Pyeongchang. Doch zuletzt plagten ihn massive Rückenschmerzen, in Oberhof musste er sogar auf den Start im Verfolger verzichten.

„Ich bin seit Wochen fast jeden Tag behandelt worden, ich habe ein ganzes Physioteam um mich, die Beschwerden sind unheimlich hartnäckig“, erzählte der 29-Jährige. Unter diesen Umständen ist sein 13. Rang durchaus respektabel. „Das war schon deutlich besser als in Oberhof, ich bin froh“, sagte er, „aber es ist noch Luft nach oben. Für ein Spitzenergebnis war es mindestens ein Schießfehler zu viel.“ Ob er noch rechtzeitig in Topform komme für Olympia? Schempp: „Wenn ich meine gesundheitlichen Probleme in den Griff bekomme, kann ich richtig loslegen.“

Eher eine bessere Trainingseinheit war das Rennen für Erik Lesser, der es mit zwei dritten Rängen in diesem Winter bislang als einziger deutscher Biathlet aufs Podest schaffte. Zuletzt hatte er wegen eines Infekts pausieren müssen. „Ich hatte praktisch keine Form und keine Vorbereitung“, sagte er, „da ist es unmöglich, mit der Weltspitze mitzuhalten.“

Anders das Fazit des Elftplatzierten Arnd Peiffer: „Das war eine solide Leistung. Mir fehlt halt bisher stets der eine oder andere Treffer, um ganz vorne mit dabei zu sein.“ Im Hinblick auf Olympia erklärte Peiffer in energischem Ton: „Dort müssen wir die Medaillen holen. Was davor war, interessiert dann keinen mehr.“

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