Es muss nachgebessert werden

von Redaktion

Der Videobeweis als Hauptthema bei der Rückrunden-Vorbereitung der Bundesliga-Schiedsrichter

Von Jan Mies

Frankfurt/Main – Für die spanische Sonne auf Mallorca hatten die deutschen Schiedsrichter kaum Zeit. Nach einer Hinrunde voller Diskussionen und Probleme saßen die Unparteiischen während ihres knapp einwöchigen Trainingslagers auf der Ferieninsel oft vor dem Fernseher – der Umgang mit dem Videobeweis stand ganz oben auf der Agenda von Schiri-Chef Lutz Michael Fröhlich.

„Mein Eindruck ist, dass alle die positiven Seiten des Videoassistenten sehen, aber auch der Meinung sind, dass an der einen oder anderen Stelle nachjustiert werden muss“, sagte Fröhlich. Er selbst ist der Überzeugung: „Mit dem Videoassistenten kann ein Mehrwert für den Fußball generiert werden.“

In der laufenden Saison seien 75 Prozent der klaren Fehlentscheidungen korrigiert worden. „Ein sehr gutes Argument für den Videoassistenten“, meint Fröhlich. Die Sport Bild rechnete vor, dass

47 Prozent der Profis gegen Videoassistent

die Schiedsrichter 50 Entscheidungen nach Einsatz des Videobeweises geändert hätten. 19 Elfmeter seien nachträglich gepfiffen, zehn Tore aberkannt und fünf Platzverweise ausgesprochen worden.

Die Akzeptanz bei den Profis scheint dennoch nicht besonders hoch zu sein. Zumindest ergab eine Umfrage des Fachmagazins kicker unter 219 Bundesligaspielern, dass etwa die Hälfte der Profis (bei der Umfrage 47 Prozent) für die Abschaffung der Technik ist (elf Prozent Enthaltungen).

„An den letzten vier Spieltagen der Hinrunde gab es einen deutlichen Trend zu mehr Akzeptanz“, sagte Fröhlich, er hob die Bedeutung der richtigen Kommunikation hervor: „Kurze und klare Sätze, eindeutige Aussagen in der Beschreibung des Sachverhaltes, die richtige Fragestellung. So wie im Cockpit eines Flugzeuges. Im Moment wird noch zu viel auf der Bestätigungsebene kommuniziert. Das muss nicht sein und führt eher vom Ziel weg.“

Wichtig ist das Videobeweis-Projekt in der Bundesliga, das sich immer noch in der Testphase befindet, auch für den Weltverband FIFA. Schließlich soll die Technik auch bei der Weltmeisterschaft im Sommer in Russland zum Einsatz kommen. Die Entscheidung darüber, ob und wie es mit dem Hilfsmittel weitergehen soll, fällt im März – DFB-Präsident Reinhard Grindel ist für die Fortsetzung des Projekts.

„Aber ich werde mit dem Hintergrund der deutschen Erfahrungen deutlich machen, dass die Bedingungen bei der Umsetzung für alle Schiedsrichter und Assistenten glasklar geregelt sein müssen“, sagte Grindel. Um Unklarheiten zu verhindern, müsse die FIFA die WM-Schiedsrichter und -Videoassistenten „so früh es geht“ benennen „und vermitteln, dass der Videoassistent kein Oberschiedsrichter ist und nur in den ganz eng eingegrenzten Fällen des Regelwerks eingreifen darf“.

In Italien zogen die Unparteiischen eine positive erste Bilanz der Testphase. In den ersten fünf Monaten der Meisterschaft sei der Videoassistent 900-mal zum Einsatz gekommen. Lediglich fünf Fehler seien dabei begangen worden, berichtete der Präsident des italienischen Schiedsrichterverbands, Marcello Nicchi. In 20 Fällen habe die Technik zu einer Änderung der Schiedsrichterentscheidung geführt.

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