München – In den zehn Jahren, die Franck Ribery bereits für den FC Bayern aktiv ist, hat sich der Franzose ein drolliges Deutsch angeeignet. Spricht er zum Beispiel von Bayer Leverkusen, den morgigen Gegner beim Auftakt in die Rückrunde, schleicht sich ein „ü“ ein, Ribery sagt: Leverküsen. Klingt ein bisschen nach „Küsschen“, und mit „Bisous“ kennen sich die charmanten Franzosen ja aus.
Ribery und die Fans des FC Bayern haben sich in den letzten zehn Jahren immer wieder Küsschen zugeworfen, die gegenseitige Zuneigung ist groß, fast beispiellos groß, so geliebt wie er wurde kaum ein Export aus der Ferne. Er wird auch in der Rückrunde wieder versuchen, Gefühle zu befeuern, mit viel Kraft geht er in die zweite Saisonhälfte, die wieder einmal richtungsweisend wird für ihn. Sein Vertrag läuft aus, akuter denn je stellt sich angesichts seiner bald 35 Jahre die Frage, ob eine Vertragsverlängerung in aller Freundschaft einen Sinn macht. Er will bleiben. „Dafür kämpfe ich.“ Beim 5:3 im Test am Dienstag gegen Großaspach unterstrich er das mit drei Toren und einer Vorlage.
„Ich bin immer bei 100 Prozent, ob in einem Test oder in der Champions League“, sagte er, „es ist egal, gegen wen wir in einem Test spielen – wir müssen sehen, dass wir am Freitag gewinnen, und dafür musst du immer professionell sein.“ Damit seine Kraftreserven ausreichen, achtet der Flügelmann mehr auf seine Gesundheit als früher, verriet er. „Bis ich 25, 26 war, wollte ich nie etwas für meine Muskeln machen, kein Stretching oder so – jetzt brauche ich jeden Tag eine Massage.“
Druck wegen des auslaufenden Vertrags macht er sich nicht, sagte Ribery, und dass die Bosse bis zum Frühjahr abwarten wollen, sei kein Problem. „Ich bin glücklich und will dem Team helfen.“
Wie gut das gelingt, wird die elementare Frage. Anfang Dezember in der Champions League gegen Paris registrierte man sehr wohl, dass er vor Kampfgeist glühte, im 1:1 aber nicht vorbeikam. Damals kehrte er jedoch frisch von einer Verletzung zurück. Nun muss er fit bleiben. Sonst gibt es am Ende „Bisous“, die er trotz aller Freundschaft lieber schmähen würde. Abschiedsküsschen. awe