Sicher, in Leverkusen kann man schon mal verlieren. Der Lauf der Rheinländer ist noch stabiler als der des FC Bayern. Auch in den nächsten Wochen ist das Programm des Tabellenführers gespickt mit tückischen Aufgaben. Die Bremer sind im Aufwind, die Hoffenheimer sowieso ein Angstgegner, und Schalke 04 ist schon lange nicht mehr die Mannschaft der Stunde. Die Knappen sind die Mannschaft der Hinrunde – abgesehen von den Bayern natürlich. Die haben elf Punkte Vorsprung, aber nicht nur in Dortmund weiß man: Auch der komfortabelste Vorsprung kann schnell schmelzen.
Es sind die immer gleichen Rechenspiele, die jetzt angestellt werden. Dem FC Bayern werden Ausrutscher zugetraut, wie sie um diese Jahreszeit jedem passieren können, den Verfolgern Konstanz und Konzentration. In Wahrheit ist es genau umgekehrt. Während der Meister im Winter so wenig schwächelt wie im Frühling, Sommer oder Herbst, patzen die Rivalen sogar, wenn sie 4:0 führen (BVB) oder 85 Minuten in Überzahl spielen (Leipzig).
Am sechsten Meistertitel in Serie wird nicht mehr viel zu rütteln sein. Das Überraschende daran ist, wie wenig die Bayern den Wert des nationalen Championats preisen. Als sie auf dem Weg zum vierten Titel waren – schon das ein Rekord –, kamen sie aus dem Schwelgen kaum heraus. Das halbe Dutzend aber wird wohl ein Opfer des Gewohnheitseffekts. Meister zu werden, ist schließlich das Mindeste, was die Welt vom FC Bayern erwarten kann, wenn man Uli Hoeneß („Ein Titel ist auf Dauer ein bisschen wenig“) richtig verstanden hat.
Die Schwärmerei vor zwei Jahren hatte sehr viel damit zu tun, dass von Pep Guardiola der Druck genommen werden sollte, allein an der Champions League gemessen zu werden. Viel geholfen hat es den Bayern und ihrem Trainer nicht. Am Ende blieben trotzdem Wünsche unerfüllt.
Die Königsklasse ist längst der Sehnsuchtswettbewerb. Tatsächlich ist es verlockend, Parallelen herzustellen zu 2013, als derselbe Trainer wie heute das Sagen hatte und den Verein in ganz neue Höhen führte. Mit Jupp Heynckes verknüpfen sich die zwei Hoffnungen der Bayern: Ein internationaler Coup und ein weiteres Jährchen auf der Bank.
Die Tücken der Champions League hat der Klub im April in Madrid am eigenen Leib erfahren. Ein einziger schwacher Akteur auf dem Rasen – im Zweifelsfall der Schiedsrichter – reicht, um den Traum eines ganzen Jahres platzen zu lassen. Manches entzieht sich selbst in diesem Verein der Kontrolle der Mächtigen. So bleiben zwei kolossale Aufgaben: Der Champions League-Titel – und Heynckes bis 2019 von seinem Bauernhof fernhalten.